Ein wichtiger Film für Sie war auch "The Thin Red Line" von Terrence Malick, der 1998 entstand.

Ja, aber Terry hat daraus einen ganz anderen Film gemacht als den, den wir eigentlich gedreht hatten. Ich spielte darin einen Soldaten, der zurück nach Hause kommt. Meine Rolle war viel größer als sie im fertigen Film zu sehen ist, vieles ist der Schere zum Opfer gefallen. Ich stellte mir die Anerkennung für meine Arbeit damals anders vor, in mir gab es regelrecht ein Gefühl von Verlust. "The Thin Red Line" lehrte mich, wie ich diesen Verlust verarbeiten kann.

Dieser Film stammte noch aus einer Ära, da wurde zwischen Kino und Fernsehen ein großer Unterschied gezogen. Das ist heute anders. Bringt das für Schauspieler Vorteile?

Ich erinnere mich an die wagemutigen Filme der 70er Jahre, als man in Hollywood beinahe europäische Produktionen umsetzte. Das wäre heute unmöglich. Aber dieser Wagemut ist ein bisschen zum Fernsehen abgewandert, speziell zu Netflix und Co., wo man sich in vielerlei Hinsicht ausprobieren kann. Schauspieler sind nicht mehr stigmatisiert, man braucht keine Angst mehr zu haben, als TV-Darsteller abgetan zu werden, weil die Serienqualität stark zugenommen hat. In einer Serie kannst du dich als Schauspieler außerdem intensiver und länger in deine Figur einleben. Es gibt aber auch Nachteile dieses Serienbooms: Jetzt gibt es zu viele davon, jeder läuft um die Wette, es steckt zu viel Geld drin. Das Schöne am Filmdrehen ist ja: Nach drei bis sechs Monaten ist es zu Ende und du bist wieder frei. Das geht bei Serien nicht, da musst du dich oft auf Jahre hinaus verpflichten. Ich habe deshalb viele Serienangebote ausgeschlagen.

Weil Ihnen diese Arbeit zu monoton wäre?

Nein, weil ich in meinem Job etwas riskieren will und mich einem künstlerischen Weg verpflichtet fühle, mehr als dem Geld. Meine Leidenschaft geht vor.

Was sind es denn für Rollen, die diese Leidenschaft in Ihnen wecken?

Die Schauspielerei ist ein sehr individueller Prozess. Mich sprechen Figuren an, bei denen ich so wenig wie möglich Schauspielen muss. Ich bin niemand, der einem etwas vorspielt. Ein Beispiel: Wenn ich eine Figur spiele, die humpelt, dann lege ich mir Steine in die Schuhe. Ich will diese Beeinträchtigung spüren. Und dann brauche ich das Humpeln auch nicht zu spielen.