Die Netflix-Invasion am Lido von Venedig nimmt kein Ende. Jüngstes Beispiel: Steven Soderberghs neuer Film "The Laundromat" mit Superstars wie Meryl Streep oder Gary Oldman feierte hier im Wettbewerb seine Weltpremiere, ehe der Film ab Oktober auf Netflix zu sehen sein wird. Für manche Kinofans ein Graus, dass die große Leinwand immer mehr umgangen wird und nur noch als Startrampe dient.

Inhaltlich befasst sich Soderbergh in "The Laundromat" mit einem brisanten Thema, das er andernorts vielleicht nicht so leicht finanziert bekommen hätte wie bei Netflix. Der Streamingdienst ist bekannt dafür, dass er gerne auch in riskante, weniger publikumsträchtige Projekte investiert. "The Laundromat" knöpft sich die Panama Papers vor, jenen Skandal rund um den panamaischen Offshore-Dienstleister Mossack Fonseca, der 2016 für weltweite Schlagzeilen sorgte. Die beiden Bad Guys Mossack und Fonseca, die für die Gründung von mehr als 300.000 Briefkastenfirmen in den Steueroasen dieser Welt nur drei Monate Haft erhielten, werden von Gary Oldman und Antonio Banderas gespielt, Meryl Streep ist in der Rolle einer Geschädigten zu sehen: Weil ihr Mann bei einem Unfall starb, hofft sie auf die Lebensversicherung, doch die Versicherung will nicht bezahlen - und die Rentnerin geht auf die Suche nach den Verantwortlichen.

Gary Oldman, Meryl Streep und Regisseur Steven Soderbergh - © Katharina Sartena
Gary Oldman, Meryl Streep und Regisseur Steven Soderbergh - © Katharina Sartena

Steven Soderbergh hat mit "The Laundomat" eine schwarze Komödie gedreht, so will er den Film jedenfalls verstanden wissen. Und Meryl Streep pflichtet ihm bei: "Es ist eine kurzweilige, spritzige, lustige Art, einen sehr schlechten Witz zu erzählen, der auf unser aller Kosten geht", sagte sie in Venedig bei der Präsentation des Films. "So einen Film über ein solch komplexes Thema zu drehen, das kann wirklich nur Steven Soderbergh. Oder Bert Brecht".

Soderbergh recherchierte eingehend im Fall der Panama Papers. Jakes Bernsteins Buch "The Secrecy World" diente ihm dabei als Grundlage. Bernstein war einer jener über 300 Journalisten die maßgeblich an der Aufdeckung der Panama Papers mitgearbeitet hatte. Und auch, wenn Soderbergh mit seinem Film zuallererst unterhalten will, so spricht "The Laundromat" doch eine Warnung aus: "Ein Prozent der Menschen besitzt die Hälfte des weltweiten Vermögens", sagt Soderbergh. "Das ist ungerecht und dagegen hilft nur Transparenz. Ein Film wie meiner ist gut dafür geeignet, eine Diskussion darüber anzustoßen".