Er ist eine fixe Größe in der (Independent-)Kinoszene, seit mehr als 30 Jahren: Schauspieler Tim Robbins hat nicht nur vor der Kamera große Erfolge gefeiert, etwa mit Rollen in "The Player", "Bob Roberts" oder "Mystic River", sondern ist auch als Drehbuchautor, Produzent und neuerdings auch als Regisseur tätig. Als solcher hat er eine Doku gedreht, die auch mit ihm und seiner Arbeit zu tun hat. In "45 Seconds of Laughter" folgt Robbins seiner von ihm gegründeten "Actor’s Gang", eine Theater-Truppe, die Schauspielworkshops an amerikanischen Hochsicherheitsgefängnissen veranstaltet. Genau diese Arbeit mit Häftlingen aller Straftaten dokumentiert der Film, der in Venedig außer Konkurrenz gezeigt wird.

"Als ich die ‚Actor’s Gang‘ 1982 gegründet habe, waren wir alle richtige Punks und hatten bald festgestellt, dass es uns um mehr ging als nur um das Schauspielen", sagt Tim Robbins. "Wir wollten damals schon versuchen, ein Theater zu betreiben, das die Gesellschaft reflektiert, genau wie unsere Helden aus dem Punkrock dies mit ihrer Musik taten - von The Clash über Joe Strummer bis hin zu den Circle Jerks". Dass die "Actor’s Gang" nun mit verurteilten Verbrechern in Gefängnissen arbeitet, hat auch mit Robbins bisheriger Filmografie und seiner Herkunft zu tun: Immerhin sind "The Shawshank Redemption" oder "Dead Man Walking" beeindruckende Gefängnisfilme, in denen Robbins mitgewirkt hat, und: "Die Gegend in New York, aus der ich stamme, war eine, wo das Messer die Straße regierte. Entweder man kämpfte, oder man lief davon".

"45 Seconds of Laughter" erforscht nun in zehn Sessions, die über eine Periode von acht Monaten veranstaltet wurden, wie Gefangene lange begrabene Emotionen durch die Theaterarbeit wieder zu- und aus sich herauslassen. "Wenn diese Gefangenen die Figuren aus der Commedia dell’arte benutzen, dann tun sie das als Puffer, der ihnen erlaubt, in Emotionen zu verfallen, die sie sich gewöhnlich nicht erlauben würden", sagt Robbins. "Denn im Gefängnis gibt es normalerweise nur eine Emotion, und das ist die Wut. Sie ist dort deine Garantie zum Überleben". Theaterarbeit im Gefängnis öffne jedoch diese Barriere, mein Robbins. "Plötzlich bemerken diese Leute, dass es mehr gibt als Wut und dass auch sie selbst sich mehr Emotionen zugestehen dürfen". Robbins hofft, dass der Film eine Diskussion über das US-Gefängnissystem anstößt, dass er für skandalös und veraltet hält. "Der Film soll nachdenklich darüber stimmen, was wir damit anrichten, wenn wir die Nation sind, die weltweit die meisten Menschen hinter Gitter bringt".