Ihre Rolle als zauberhaftes Kindermädchen in "Mary Poppins" machte sie 1964 über Nacht weltberühmt: Jetzt hat Julie Andrews, inzwischen 83 Jahre alt, beim Filmfestival von Venedig einen Goldenen Ehrenlöwen für ihr Lebenswerk erhalten - und nahm diesen freudestrahlend entgegen.

Für "Mary Poppins" erhielt Andrews damals einen Oscar als beste Hauptdarstellerin. Später feierte sie Erfolge mit Filmen wie "Meine Lieder - meine Träume" (1965) oder "Victor/Victoria" (1982), bei dem ihr Ehemann Blake Edwards (1922-2010) Regie führte. In den Jahren 2001 und 2004 war sie in der "Plötzlich Prinzessin"-Reihe zu sehen. Auch als Sängerin machte die Britin Karriere, musste diese Passion aber nach einer Stimmband-Operation 1997 aufgeben.

"Für mich kam der Erfolg in Hollywood mit ‚Mary Poppins‘ wie aus heiterem Himmel. Das war fast wie ein Überfall", sagte die gerührte Schauspielerin in Venedig. Mit Mary Poppins verbindet Andrews sehr viel: "Sie ist auf den ersten Blick eine sehr ordentliche und anständige Frau, aber wenn man genau hinsieht, hat sie ein verstecktes und sehr aufregendes Innenleben - genau wie ich. Allein ihre Kleidung verrät schon, dass es in ihr sehr verspielt zugeht, man das aber nicht sofort bemerkt". Diese Doppelbödigkeit war Andrews wichtig.

Genauso wichtig war ihr auch, die Hauptfigur ihres nächsten Films zu hinterfragen: In "The Sound of Music" (1965), der außerhalb Österreichs bekannteste (und hierzulande ziemlich unbekannte) Film über die Alpenrepublik, spielte sie die Hauptrolle der Maria von Trapp, hatte nach einer schmalzigen Broadway-Version aber Angst vor zu viel Kitsch: "Es war eine sentimentale Geschichte, und oben drauf gab es noch Zuckerguss. Ich meine, es gibt darin die Berge, die Nonnen, sieben Kinder, und das alles auf einmal!" Weshalb sie und Regisseur Robert Wise beschlossen hatten, den Kitsch so gering dosiert wie möglich zu halten. "Der Film ist auch heute noch wunderbar, aber wir haben ihn damals davor bewahrt, allzu süßlich zu werden. Und darüber bin ich heute sehr froh, denn ich glaube, das ist der Grund, weshalb diese Filme so lange Bestand haben und immer noch verehrt werden". Matthias Greuling