Sie haben recht, denn man kann das weiterdenken und eine andere Form von Ausbeutung sehen: Wenn man die Jagd verurteilt, was berechtigt ist, dann muss man auch die Massentierhaltung verurteilen. Wer ein Verbot der Jagd fordert, muss auch diese Massentierhaltung verbieten. Aber davon will niemand etwas hören, weil man ja selbst auch in den Supermarkt geht und sich das vakuumverpackte Fleisch kauft, ohne wirklich zu sehen, dass das auch einmal ein lebendiges Wesen war, das geschlachtet wurde.

In "Safari" dient das Töten allerdings als Touristenattraktion.

Der Jagdtourismus ist ein Wirtschaftszweig, genau wie der Tourismus an sich. Es ist ein Geschäft. Europäer zahlen einen Preis, damit sie diese Jagd geboten bekommen und ihre Zeit dort verbringen. Die Herstellung der Trophäen ist außerdem auch noch einmal ein Wirtschaftszweig, denn ein Gnu, das man erlegt hat, will präpariert werden, und da gibt es je nach Tierart Preislisten, was das kostet. Das kann leicht ein paar tausend Euro ausmachen. Da gibt es wirklich große Unternehmen, die so etwas machen und in die ganze Welt verschicken.

Noch ein Wort zur Politik: Ihr Film "Im Keller" hat eine Befindlichkeit vorweggenommen, die heute, im Wahljahr 2016 zur Realität geworden ist. Sehen Sie das auch so?

Ich sehe das anders. Der berühmt gewordene Nazi-Keller mit dem Hitler-Bild und den darunter feiernden Männern, den hat es bei uns immer gegeben, das ist nichts Neues gewesen. Das war auch vielen Menschen bekannt, man hat halt einfach nur nicht darüber geredet. Ich glaube hingegen, dass die neue Entwicklung eine viel gefährlichere ist, weil hier die schreckliche Vergangenheit der NS-Zeit gar keine Rolle mehr spielt. Sondern man ist hier - unter ganz anderen Voraussetzungen - plötzlich bereit, von der Demokratie abzurücken.

Wäre das ein Sujet für Sie?

Für mich nicht, denn ich glaube, meine Filme sind per se alle schon sehr politisch und nehmen zu gewissen Befindlichkeiten Stellung. Ich würde aber keinen Film machen, bei dem ich von Beginn an ein politisches Thema als Grundlage installiere, sondern ich zeige eher Menschen. So habe ich es auch in "Safari" getan.

Ihre Filme haben immer wieder Diskussionen ausgelöst. Erwarten Sie das auch für "Safari"?

Ich hoffe. Denn ich mache Filme, damit sie Diskussionen auslösen und will dem Zuschauer genug Stoff für Verstörung bieten, damit er aus dem Kino geht und sich darüber den Kopf zerbricht. Meine Filme sollen etwas bewirken, was einen nicht mehr in Ruhe lässt.