Blick auf die "Awards Season"

Man lockt Medien und Publikum vor allem mit Filmen für die bevorstehende "Awards Season", die mit dem Oscar im März ihren Höhepunkt erreicht. Nicht umsonst waren die Oscar-Sieger der vergangenen Jahre allesamt zuerst in Venedig zu sehen, von "La La Land" bis zum im Vorjahr hier uraufgeführten diesjährigen Oscar-Abräumer "Shape of Water". Venedig zeigt also, was Cannes aus Stolz ablehnt, oder was den Studios einfach besser ins Marketingkonzept passt.

Dieses Jahr eröffnet das Festival hochkarätig, mit Damien Chazelles "First Man", ein Drama über die Mondlandung von Neil Armstrong, gespielt von Ryan Gosling. Er wird ebenso da sein wie Lady Gaga und Bradley Cooper, der mit "A Star Is Born" sein Regiedebüt zeigen wird. Erwartet werden auch Emma Stone, Natalie Portman, Dakota Johnson, Tilda Swinton, James Franco, Liam Neeson, Joaquin Phoenix oder Mel Gibson.

Anders als in Cannes will sich Festivalchef Barbera zudem den "Veränderungen in der Filmwelt nicht verschließen", zeigt deshalb auch heuer wieder Virtual Reality-Filme und eben die Streamingware. Allein sechs Titel von Netflix sind im Rennen: Alfonso Cuarons Epos "Roma" zum Beispiel, im Wettbewerb. Paul Greengrass zeigt in "July 22" seine Sicht auf Anders Breivik. Die Coen-Brüder drehten für Netflix erstmals überhaupt digital, und nennen ihren neuen Western "The Ballad of Buster Scruggs". Mit Spannung erwartet wird "The Other Side of the Wind", dem vor 50 Jahren begonnenen, aber erst jetzt vollendeten Projekt von Orson Welles, das John Huston als Autor zeigt, der ein Comeback in Hollywood versucht. Nicht nur dieser Film hätte bereits in Cannes Premiere haben sollen. Wenn es die neuen Richtlinien nicht gegeben hätte.

Große Fotoausstellung

Ein Indiz, dass man an die Strategie und vor allem an die Zukunft des Filmfestivals von Venedig glaubt, ist heuer die temporäre Wiedereröffnung des seit dem Jahr 2008 geschlossenen Grand Hotel des Bains. Jenes legendäre Hotel, in dem Luchino Visconti den "Tod in Venedig" drehte und das Kulisse war für "Der englische Patient", war selbst ein Jahrzehnt lang Patient und Sinnbild einer niedergehenden Mostra del Cinema, die mehr und mehr an Einfluss verlor. Jetzt hat Alberto Barbera das Haus während des Festivals und die Woche danach wiedereröffnet - mit einer großen Fotoausstellung zum Thema 75 Jahre Festival. Man sieht die renovierte Eingangshalle und den Sala Visconti und weiß damit: Die Hoffnung lebt.