Wien. Der Mensch greift schon lange in die Genetik der Pflanzen ein. Die Pflanzenzüchtung ist so alt wie der Anbau selbst - was vor rund 12.000 Jahren mit Gerste, Emmer und Einkorn, den Urformen des Weizens, in Mesopotamien (zwischen Bagdad und dem Persischen Golf) begann, kam vor etwa 7500 Jahren nach Mitteleuropa. Das Prinzip ist bis heute gleich: Es geht um den Anbau gezielt ausgewählter Pflanzen unter kontrollierten Bedingungen. Um die Auslese, also die Selektion der ertragreichsten und erfolgversprechendsten Individuen. Auf diesem Weg wurden aus Wildpflanzen Kulturpflanzen, haben sich die Getreidesorten entwickelt, wie wir sie heute kennen.

Doch die Möglichkeiten haben sich geändert. Seit Mitte der 90er Jahre werden gentechnisch veränderte Kulturpflanzen angebaut, die zum Beispiel widerstandsfähiger gegen Schädlinge sind. Etwa zeitgleich wurden europäische Regelungen für die Verwendung gentechnisch veränderter Organismen (GVO) formuliert, die sowohl die menschliche Gesundheit und die Umwelt schützen sollen, als auch den freien Warenverkehr zugelassener GVO-Produkte in allen Mitgliedstaaten der EU zum Ziel haben. Seit 2004 müssen diese innerhalb der EU gekennzeichnet sein. Auch der Anbau einiger gentechnisch veränderter Pflanzen ist zugelassen - in Österreich ist er jedoch verboten.

Gentechnik
ohne Fremd-DNA

Österreich begrüßte daher das Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) von vor fast genau einem Jahr, in dem es um eine neue Züchtungsmethode ging: um die Mutagenese-Technologie mithilfe von Methoden wie der Genschere CRISPR/Cas9. Dabei wird im Unterschied zur "alten" Gentechnik nicht fremdes Genmaterial in den Organismus eingebracht, sondern die DNA durch das Aufbrechen der Stränge und den natürlichen Reparaturmechanismus umgeschrieben (der Sammelbegriff ist Genome Editing). Pflanzensorten, die mithilfe dieser Technologie manipuliert werden, gelten laut EuGH-Urteil nun rechtlich ebenfalls als gentechnisch verändert und müssen somit auch als GVO gekennzeichnet werden - was aufwendig und teuer ist.

Forscher fordern Gesetzesänderung

Der Protest unter den Wissenschaftern war groß. Erst im Vormonat dieses Jahres forderten zahlreiche Forscher europäischer Institute eine Gesetzesänderung. "Die Nutzung neuer präziser Zuchtmethoden zur Verbesserung von Kulturpflanzen" müsse vereinfacht werden, hieß es. Um "Innovationen in der Pflanzenzucht - Chance oder Risiko für die Sicherung unserer Ernährung?" geht es auch von 16. bis 21. August in einem Seminar beim Europäischen Forum Alpbach in Tirol. Eng verknüpft damit ist das Thema Bioökonomie, dem am 24. August das Panel "Bioökonomie - unverzichtbar für die Zukunftssicherung der Menschheit" gewidmet ist. Bei der Bioökonomie geht man davon aus, dass alle fossilen durch nachwachsende Rohstoffe (Biomasse wie etwa Mais) ersetzt werden, damit die Wirtschaft wachsen kann, ohne die Umwelt zu belasten.

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