Wien/Alpbach. Auch wenn es nicht an den Rohstoffbörsen gehandelt wird: Wasser ist sicherlich der wichtigste Rohstoff für die Menschheit. Aber: "Die Quantität von Wasser ist begrenzt. Das Wasser wird nicht mehr. Die Menschen werden aber mehr", warnt der Ökologe Martin Kainz vom Wassercluster Lunz. Es gibt nicht nur immer weniger Wasser pro Mensch - auch die Qualität des Wassers schwindet, unter anderem durch menschengemachte Verschmutzungen.

Der Klimawandel tut noch das seine dazu: Und so steht die Menschheit vor dem nur scheinbaren Paradoxon, dass der Meeresspiegel ansteigt, aber der Niederschlag, wie wir ihn kennen, ausbleibt und das Grundwasser versiegt. "In der Zukunft wird man vermehrt zum Wasser gehen und man wird vor dem Wasser davonlaufen", ist Kainz überzeugt: In Asien gibt es jetzt schon ständige Flutkatastrophen, weil nicht genug Geld oder Verständnis da ist, um mit dem Wasser zu haushalten zu können.

Auch Mittelamerika, etwa Honduras, erlebt derzeit ein Ansteigen des Meeresspiegels, der ganze Küstendörfer bedroht. Wetterphänomene wie Starkregen sorgen für das Übrige: Aufgrund von erodierter Landschaft begraben Schlammmassen die restliche menschliche Infrastruktur.

Dagegen haben im westlichen Afghanistan allein im vergangenen Jahr 120.000 Menschen ihr Land verlassen müssen, da nicht mehr genug Wasser vorhanden war. 20 der 34 afghanischen Provinzen sind von chronischer Dürre betroffen.

Die südafrikanische Metropole Kapstadt musste vor zwei Jahren ihr Trinkwasser rationieren, die Reservoirs waren, nachdem der Regen länger ausgeblieben war, nahe dem Nullpunkt.

Martin Kainz ist Limnologe und Arbeitsgruppenleiter am Wassercluster Lunz, der sich mit Leben in Gewässern in allen Facetten beschäftigt. Der Forschungsschwerpunkt von Kainz liegt derzeit bei aquatischen Nahrungsketten, vom Algen bis zu Fischen. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Donau Universität Krems und leitet dieses Jahr gemeinsam mit der Expertin Sandra Postel das Seminar "Wasser-Sicherheit: Von heute bis 2050" beim Europäischen Forum Alpbach. - © Walther
Martin Kainz ist Limnologe und Arbeitsgruppenleiter am Wassercluster Lunz, der sich mit Leben in Gewässern in allen Facetten beschäftigt. Der Forschungsschwerpunkt von Kainz liegt derzeit bei aquatischen Nahrungsketten, vom Algen bis zu Fischen. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Donau Universität Krems und leitet dieses Jahr gemeinsam mit der Expertin Sandra Postel das Seminar "Wasser-Sicherheit: Von heute bis 2050" beim Europäischen Forum Alpbach. - © Walther

Wenn aber von oben kein Regen kommt, wie sieht es aus mit Wasser aus dem Boden? Hilft es, wenn man Brunnen baut? Den Menschen in trockenen Gebieten kurzfristig schon. Der Umwelt in trockenen Gegenden langfristig nicht

Ein klassisches Beispiel dafür ist Libyen. Das in den 1990ern gebaute sogenannte Great-Man-Made-River-Projekt gilt für die libysche Regierung als Weltwunder, das die Städte mit Trinkwasser versorgt. "Da pumpt man in die tiefsten Grundwasserhorizonte hinein, in fossile Reservoire. Es muss uns klar sein, dass dieses Wasser unwiederbringlich ist. Das Wasser, das man dort entnimmt, kommt nicht wieder nach", erklärt Kainz.

Sauberes Wasser ist ein Menschenrecht

"Es gibt ein Prinzip der Ökologie. Man darf nicht mehr Wasser entnehmen, als jährlich wieder nachkommt. Nur diese Logik wird nicht verfolgt, wenn es um ein Gut geht, das offenbar nichts kostet", meint Kainz, der aber gleichzeitig vehement dafür eintritt, das sauberes Wasser für den Konsumenten auch in Zukunft nichts kosten soll. "Wasser ist ein Menschenrecht", sagt Kainz. Man soll ja auch nicht den Kubikmeter Luft berechnen.