v.l.n.r.: Wolfgang Burtscher, Vize-Generaldirektor in der Generaldirektion Forschung und Innovation der EU-Kommission, FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth, Sektionsleiterin Barbara Weitgruber und Hermann Hauser vom Europäischen Innovationsrat in Alpbach. - © BMBWF
v.l.n.r.: Wolfgang Burtscher, Vize-Generaldirektor in der Generaldirektion Forschung und Innovation der EU-Kommission, FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth, Sektionsleiterin Barbara Weitgruber und Hermann Hauser vom Europäischen Innovationsrat in Alpbach. - © BMBWF

Alpbach. Stärkere Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit, mehr Forschungsergebnisse im Markt: Über die Ziele des Forschungsrahmenprogramms Horizon Europe von 2021 bis 2024 herrscht politische Einigkeit. Nun muss noch das Budget beschlossen werden. Das Parlament in Straßburg hat 120 Milliarden Euro vorgeschlagen, die EU-Kommission 100 Milliarden. Nun kommt es auf die Staats- und Regierungschefs an, sich bis Ende Oktober darüber zu einigen, wie viel sie einzahlen wollen.

Eine wesentliche Neuerung im neuen EU-Rahmenprogramm ist die "missionsorientierte Forschung", zielgerichtet an Schwerpunktthemen. Als Missionen wurden die fünf Bereiche Klimaneutralität in Städten, Schutz der Meere, gesunde Ernährung, Bodengesundheit und Krebs definiert.

"Bisher gab es zum Beispiel viele unterschiedliche Projekte in der Krebsforschung. Nun könnte ein Ziel lauten, Kinderkrebs innerhalb von fünf Jahren zu besiegen", sagte Wolfgang Burtscher, Vize-Generaldirektor in der Generaldirektion Forschung und Innovation der Europäischen Kommission, bei einer Pressekonferenz des Wissenschaftsministeriums und der Forschungsförderungsgesellschaft im Vorfeld der Alpbacher Technologiegespräche am Donnerstag.

In "Mission Boards" sollten sich Fachexperten zusammenfinden, um Forschungsprojekte zu identifizieren, welche den definierten Zielen gerecht würden.

Aufholjagd mit 10 Milliarden

Bis zum 8. September könne auch die europäische Bevölkerung auf der Homepage von Horizon Europe bekanntgeben, welche Themen sie für die Relevantesten hält, ergänzte Barbara Weitgruber, Sektionschefin für Hochschulen im Wissenschaftsministerium. "Wir wollen die Wirksamkeit von Forschung und Innovation erhöhen", erklärte der EU-Kommissar. "Dazu benötigen wir auch die Akzeptanz der Bevölkerung."

Ein auf EU-Ebene völlig neuartiges Modell stellt der Europäische Innovationsrat (EIC) dar. Er macht die EU zum Risikokapitalgeber. Die Union beteiligt sich über die Europäische Investitionsbank gemeinsam mit Konzernen an innovativen Klein-und Mittelbetrieben (KMU), die revolutionäre Produkte erstmals auf den Markt bringen oder damit einen größeren Markt erreichen wollen. Die Idee hinter den mit Steuergeldern finanzierten Risiko-Beteiligungen ist, dass Europa im Bereich Anwendungen nicht noch weiter hinter den USA oder China zurückfallen soll. Außerdem wolle man technologische und digitale Innovation und die damit verbundene Wertschöpfung nicht einigen wenigen US-Konzernen überlassen, betonte Burtscher.

"Wir müssen uns mit der Tatsache abfinden, dass die Zukunft in Asien liegt, die führende Nation China sein wird und US-Präsident Donald Trump klarerweise den Handelskrieg gegen China verlieren wird", erläuterte der österreichisch-britische Physiker und Investor Hermann Hauser, Vizepräsident des EIC, den Hintergrund: "Die EU hinkt hinterher. Zwar spiele sie mit den hoch dotierten Förderungen des Europäischen Forschungsrats (ERC) in der Grundlagenforschung "eine der drei großen Rollen, aber in der Umsetzung der Ergebnisse werden wir unserer Forschungsqualität nicht gerecht."

Zu den Gründen zählt die Tatsache, dass in Europa keine Tradition des Venture Capital existiert. In den USA steht fünf Mal mehr Geld für riskant-innovative Geschäftsideen zur Verfügung. Von den zehn größten Technologiefirmen sind acht über dem Großen Teich, zwei in China und keine in Europa. "Wir haben wirklich Aufholbedarf", sagte Hauser.

Ob die Aufholjagd mit Hilfe von zehn Milliarden Euro im EIC gelingen kann, wo doch Konzerne wie Google ein Vielfaches in den Ankauf innovativer Startups investieren, ist fraglich. Das Vorbild für den EIC war jedenfalls der ERC, der exzellente Grundlagenforschung in Europa fördert und "eine der erfolgreichsten Initiativen ist, die Europa je gestartet hat", sagte Hauser. Ähnlich wie beim ERC, wo die Auswahl nur über die Exzellenz erfolgt, ist beim EIC jeder Firmenantrag erlaubt, denn er wird danach beurteilt, wie "bahnbrechend und marktschaffend die Innovation ist".