Vor vier Jahren - am 13. September 2015 - bin ich als österreichischer Bundespräsident zur UNO nach New York geflogen, weil am Vorabend der Eröffnung der Generalversammlung der Vereinten Nationen ein historischer Beschluss zu fassen war: Die UNO-Mitgliedstaaten hatten sich nach langen und schwierigen Verhandlungen auf ein "Weltregierungsprogramm" geeinigt. Sein offizieller Name lautete "Sustainable Development Goals" ("Nachhaltige Entwicklungsziele").

Schon zuvor gab es im Vorfeld des Jubiläumsjahres 2000 eine erste Fassung globaler Zielsetzungen nämlich die "Millennium Development Goals". Aber die "Sustainable Development Goals" stellen eine Erweiterung, Vertiefung und Präzisierung dieser Zielsetzungen dar. An der Spitze steht der Kampf gegen die Armut; dieser Kampf ist global auf dem richtigen Weg, weil die Zahl der Menschen unter der Armutsgrenze deutlich im Sinken begriffen ist. Aber noch immer gibt es millionenfache schreckliche, die Menschenwürde verletzende Armut.

Frieden und Klimaschutz

Heinz Fischer wurde 1938 in Graz geboren. Von 2004 bis 2016 war er österreichischer Bundespräsident. Davor war er ab 1971 Abgeordneter der SPÖ zum Nationalrat (ab 1975 Klubobmann), von 1983 bis 1987 Wissenschaftsminister und von 1990 bis 2004 zunächst Erster und dann Zweiter Nationalratspräsident. - © apa/Hochmuth
Heinz Fischer wurde 1938 in Graz geboren. Von 2004 bis 2016 war er österreichischer Bundespräsident. Davor war er ab 1971 Abgeordneter der SPÖ zum Nationalrat (ab 1975 Klubobmann), von 1983 bis 1987 Wissenschaftsminister und von 1990 bis 2004 zunächst Erster und dann Zweiter Nationalratspräsident. - © apa/Hochmuth

Eng damit verbunden sind die Ziele Nummer zwei und drei: der Kampf gegen den Hunger und der Kampf für eine globale und ausreichende Gesundheitsvorsorge. Es ist eine traurige Tatsache, dass immer noch jährlich unfassbar viele Menschen und vor allem Babys und Kleinkinder an Unterernährung sterben (während anderswo provozierender Überfluss herrscht und Lebensmittel in großen Mengen weggeworfen und vernichtet werden). Dass der Kampf um Gesundheitsvorsorge Fortschritte macht, zeigen zum Beispiel die sinkende Säuglingssterblichkeit und die signifikant steigende Lebenserwartung auf allen Kontinenten.

Umweltschutz im weitesten Sinn wird in mehreren Entwicklungszielen angesprochen, wie zum Beispiel bei der Forderung nach gesundem Trinkwasser und ausreichenden sanitären Vorkehrungen für alle Menschen sowie bei der Forderung nach sauberer Energie, nach verantwortungsvollen Produktionsweisen und nach einem sorgfältigen Umgang mit den Wasserreserven und der weltweiten Biodiversität. Zu den "Sustainable Development Goals" gehören aber auch die Gleichberechtigung der Geschlechter in Theorie und Praxis - also "Gender Equality" -, angemessene Arbeitsplätze, zufriedenstellende Infrastruktur und nicht zuletzt zwei besonders wichtige und aktuelle Ziele: Klimaschutz sowie Friede und "Good Government".

Anlässlich der Verabschiedung dieses Dokumentes in New York hat mich mein Freund Ban Ki-moon, der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, eingeladen, gemeinsam mit einer kleinen Gruppe anderer Staatspräsidenten eine kurze Rede zu halten, bei der ich - in Absprache mit der damaligen Bundesregierung - die volle Unterstützung Österreichs für die "Sustainable Development Goals" zum Ausdruck brachte. Ein Grund mehr, warum ich diesen Zielen und den diesen Zielen zugrunde liegenden Werten und Prinzipien - einschließlich der Menschenwürde - besondere Aufmerksamkeit widmete.