Es war wie ein Déjà-vu: Das neue Forschungsfinanzierungsgesetz, das Forschungsförderungsinstitutionen außerhalb der Universitäten eine langfristige, wachstumsorientierte Finanzierung zusichern soll, soll mit Zahlen unterfüttert werden. Laut dem Gesetz muss bis Jahresende eine neue Forschungsstrategie und ein Pakt für Forschung, Technologie und Innovation (FIT) zu inhaltlicher Schwerpunktsetzung und den Budgets der nächsten drei Jahre stehen. So lautete die Ankündigung beim FTI-Talk, der Eröffnungsveranstaltung der Alpbacher Technologiegespräche am Donnerstag. Sie ist nicht neu.

Zum Hintergrund: Bildungsminister Johannes Hahn hatte bei den Alpbacher Technologiegesprächen 2009 ein Forschungsfinanzierungsgesetz vorgeschlagen, nachdem das Budget des Wissenschaftsfonds, Österreichs größtem Fördergeber für Grundlagenforschung, über längere Zeit nicht vom Ministerium beschlossen worden war. Die öffentlichen Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen sollten bis 2020 stetig steigen. Zehn Jahre später, im Frühjahr 2019, wurde das Gesetz zwar beschlossen, aber nicht mit Zahlen unterfüttert.

"Das Forschungsfinanzierungsgesetz ist ein Gemeinschaftsprojekt und ein Meilenstein. Es sollen Forschungsbudgets im Rahmen von mehrjährlichen Planungsvereinbarungen festgeschrieben werden", betonte Klimaschutz- und Umweltministerin Leoneore Gewessler nun am Donnerstag. "Wir haben einen Wachstumspfad festgeschrieben und werden uns in den Budgetverhandlungen im Herbst dafür einsetzen, dass das auch kommt."

"Die Kritik am Forschungsfinanzierungsgesetz ist, dass keine finanziellen Informationen zu den Steigerungen und Zielgrößen vorhanden sind. An beiden Dokumenten, dem FTI-Pakt und der nationalen Forschungsstrategie, wird intensiv gearbeitet", betonte Wissenschaftsminister Heinz Faßmann. Und: "Wir drei kämpfen dafür, dass mehr Geld zur Verfügung steht als bisher. Es wird gelingen, und der Anstieg soll möglichst steil sein. Das Ganserl wird fünf Minuten vor Ende knusprig sein und mit dem FTI-Pakt wird es knusprig. Wir müssen uns aus der Krise herausinvestieren." Forschung und Entwicklung sei der richtige Bereich, um zu beginnen, insbesondere indem man die Übergänge von Grundlagenforschung zur Anwendung "fließend" gestalte.

"Forschung, Technologie und Innovationen (FTI) sind das Fundament für den Erfolg und das Blut in den Adern der modernen Industrie. Wir brauchen, wenn man so will, mehr Blutkonserven", hob Georg Knill, Präsident der Industriellenvereinigung (IV), hervor. Forschende Unternehmen würden in der Regel überdurchschnittliche 19 Prozent Wachstum im Jahr verzeichnen.

Was das kommende EU-Forschungsrahmenprogramm "Horizon Europe" betrifft, zeigte Knill sich kritisch, "weil bei den Budget-Verhandlungen deutlich weniger herausgekommen ist als erwartet. Um die Innovationen, die wir uns vorgestellt haben, zu bewerkstelligen, sollte Österreich den höheren Rabatt, den es sich bei den Verhandlungen herausgeholt hat - sind statt 134 Millionen jährlich 560 Millionen Euro - in eine Technologieoffensive von einer Milliarde zusätzlich investieren, damit es zu den Innovation Leaders aufschließen kann."

Wirtschaftsministerin Margarethe Schramböck verwies auf die positive Seite der Medaille: "Wir sind in Europa bei Investitionen in Forschung und Entwicklung an zweiter Stelle nach Schweden, ich denke, das ist gut. Aber wir benötigen neben einem Wachstumspfad einen besseren Transfer von Forschung in Produkte und Services."

"Krieg gegen die Zukunft"

Hannes Androsch, Präsident des Rats für Forschung und Technologieentwicklung, sah keinen Mangel an Geld, sondern mangelnden Willen, in F&E zu investieren. "Wir wollten Innovationsleader werden - wir sind aber zurückgefallen. Dabei haben wir im letzten Jahr 62 Milliarden Euro Zinsersparnisse gehabt. Da wären sechs Milliarden locker drin gewesen", betonte Österreichs ehemaliger Finanzminister.

Androsch forderte, dass die Gelder in eine zukunftsweisende Richtung gelenkt würden. "Wir wissen nicht, wie lange die Pandemie uns noch in Atem hält und wann die Weltwirtschaft sich erholt. Wir brauchen ein Konjunktur- und Zukunftsprogramm, in dem Forschung und Innovation enthalten sind."

"Wir führen Krieg gegen die Zukunft - und zwar einen unfairen, denn die Zukunft kann sich nicht wehren", betonte zudem FWF-Chef Klement Tockner am Donnerstag in einer Aussendung mit Blick auf den derzeitigen Umgang mit natürlichen Ressourcen und der Notwendigkeit neuer, innovativer Lösungen aus der Grundlagenforschung. Für eine "nachhaltige und kostengünstige Vorsorge", um die Probleme von morgen zu lösen, habe die Grundlagenforschung mehr zu bieten als die angewandte.