Es ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Laut Schnellschätzung der Statistik Austria hat sich die Inflation im August erstmals seit einem Jahr etwas verlangsamt. Mit 9,1 Prozent bleibt sie aber nach wie vor hoch. Im Juli betrug die Teuerungsrate 9,3 Prozent.

"Weitere Preisschübe sehen wir bei Haushaltsenergie, Nahrungsmitteln und in der Gastronomie", wird Statistik-Austria-Chef Tobias Thomas in einer Aussendung zitiert. Gegenüber dem Vormonat Juli sanken die Preise um 0,2 Prozent. Größter Treiber sind nach wie vor die sehr hohen Energiekosten. Auch in Frankreich verlangsamte sich die Inflation im August erstmals seit rund einem Jahr. Sie sank dort von 6,8 Prozent im Juli auf 6,3 Prozent im August. Hier von einer Trendwende zu sprechen, wäre aber noch zu früh. Und die Inflationsraten im gesamten Euro-Raum sind nach wie vor weit über den von der Europäischen Zentralbank (EZB) als "Idealwert" festgelegten 2 Prozent.

Haben die Modelle versagt?

Wie man dort wieder hinkommt, darüber diskutierten Dienstagabend beim Europäischen Forum Alpbach in Tirol Notenbankgouverneure aus fünf europäischen Euro- und Nicht-Euro-Ländern. Robert Holzmann aus Österreich, Madis Müller aus Estland, Stefan Ingves aus Schweden, Yannis Stournaras aus Griechenland und Pierre Wunsch aus Belgien äußerten sich zur Frage: Können die Notenbanken mit der aktuellen Inflation umgehen?

"Die aktuelle Inflation ist ein mehrköpfiges Hydra-Monster", sagte etwa Stournaras. Sie sei weniger auf die geldpolitischen Schritte der EZB zurückzuführen. Vielmehr werde sie von globalen Engpässen und unterbrochenen Lieferketten sowie von den hohen Energiepreisen im Zuge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine befeuert.

In Estland, wie im gesamten Baltikum, ist die Inflation mit derzeit 20 Prozent besonders hoch. Das sei zum Großteil der dort massiv gestiegenen Energiekosten geschuldet, so der estnische Gouverneur Müller. Es liege auch daran, dass während der Pandemie die Einkommen nicht gesunken sind, die Menschen aber sehr viel zu Hause waren und weniger ausgegeben haben, was die Sparquote hochgetrieben habe. Nach den Lockdowns sei "ein Dürsten nach Konsum" entstanden, was die Inflation weiter befeuert habe. Dennoch: "Inflationsraten in dieser Höhe können nicht lange Zeit so hoch bleiben."

"Wir und unsere Modelle haben die Inflation nicht kommen sehen und wir dachten, sie wäre ein kurzes, temporäres Phänomen. Die Inflation bleibt aber hoch", sagte Belgiens Gouverneur Wunsch. Die Zentralbanken und die EZB "wissen weniger über die Inflation, als sie dachten zu wissen". Deshalb sei es in der aktuellen Krise wichtig, die bestehenden Inflationsmodelle genau unter die Lupe zu nehmen und gegebenenfalls zu adaptieren.

Nächster Zinsschritt erwartet

Anfang September beraten die Währungshüter der EZB erneut über die aktuelle Inflationssituation und die nächsten Zinsschritte. In den Protokollen ist bereits eine Zinserhöhung um 0,5 Prozentpunkte festgeschrieben. Am Geldmarkt wird allerdings über eine Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte spekuliert. Steigen die Zinsen, dämpft das die Nachfrage und die Inflation sinkt - so die Theorie.

Stournaras warnt allerdings davor, die Zinskeule zu hart zu schwingen und damit andere, unerwünschte Effekte wie eine wirtschaftliche Rezession herbeizuführen. Höhere Zinsen sind vor allem für die südlichen, hoch verschuldeten Euro-Länder wie Griechenland und Italien ein Problem. Unklar ist auch, ob und wie höhere Zinsen die Energiekosten beeinflussen. Andererseits merken die beiden Notenbanker Ingves und Müller an, dass durch höhre Zinsen wohl auch die Immobilienpreise am mittlerweile überhitzten Immobilienmarkt sinken.