Alpbach. Die Bundesregierung plant in ihrer Forschungsstrategie eine Erhöhung der Forschungsquote von derzeit 2,79 auf 3,76 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2020. Man will zu den Top-Innovatoren aufsteigen. Konkrete Pläne, woher das Geld dafür kommen soll, stehen aber immer noch aus. Angesichts geplanter Sparbudgets wird die öffentliche Dotierung von "Wissenschaft und Forschung" bis 2015 nämlich real sinken. Daher sollen Unternehmen nicht wie derzeit 60, sondern bis zu 70 Prozent der Ausgaben tragen.

Als Vorbild sollen elf heimische Firmen dienen. Infrastrukturministerin Doris Bures präsentierte am Donnerstag bei den Technologiegesprächen in Alpbach eine "beispielgebende" Deklaration zur Förderung rot-weiß-roter Innovationen. Parade-Unternehmen wie Infineon, Magna, KTM, Lenzing, AVL List, AT&S und Doppelmayr erklären sich bereit, ihre Forschungsetats bis 2015 um 20 Prozent zu erhöhen. Klein- und Mittelbetriebe sollen motiviert werden, dem Trend zu folgen.

Keine Überprüfung

Ob die Betriebe dem Abkommen tatsächlich nachkommen, soll allerdings von keiner Instanz überprüft werden. Bures zeigte sich vielmehr überzeugt, "dass die elf Unternehmen keine Kontrolle brauchen". Sie verwies darauf, dass Ausgaben für Forschung Unternehmen nutzen und untermauerte ihren Standpunkt mit einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts. Die Ergebnisse "beweisen, dass die Strategie antizyklisch zu investieren greift und dass forschungsintensive Firmen besser aus der Krise gekommen sind", so Bures. So lag die Beschäftigung 2010 wieder auf demselben Niveau wie vor der Krise 2008.

Ohne Nachwuchs jedoch keine Forschung. Ausgehend vom Infrastrukturministerium sollen Studentinnen technischer und naturwissenschaftlicher Fächer künftig Praktika in Forschungs-Unternehmen absolvieren können. Samt Sozialversicherung und 1400 Euro brutto monatlich. Das Wissenschaftsministerium vergibt einen neuen Preis für junge Unternehmen, Frauen als innovative Unternehmerinnen und Newcomer. Der "Phönix" soll im Frühjahr 2012 erstmals verliehen werden.

Wissenschaftsminister Karl-Heinz Töchterle lobte die steigende Anzahl an Firmenneugründungen von Akademikern. "Wir brauchen vor allem mehr Absolventen", sagte er in Hinblick darauf, dass es entscheidend sei, "wie viele Leute aus der Universität mit Abschlüssen herauskommen, nicht wie viele sich darin tummeln". Der kürzlich präsentierte Expertenbericht zum Hochschulplan habe gezeigt, dass es rund 100.000 inaktive Studenten gebe. Die Verbindlichkeit im Studium müsse erhöht werden- etwa durch die Einführung von Zugangsregelungen und Studienbeiträgen.

Laut Expertenbericht könnte sich der Anteil der Privatinvestitionen an den Hochschulen durch gezielte Maßnahmen von derzeit jährlich 110 Millionen Euro verdoppeln. Der Masterplan dazu steht allerdings noch aus. Töchterle verwies in diesem Zusammenhang nur auf die Wichtigkeit, "die Verbindung zu Klein- und Mittelunternehmen herzustellen", da diese kaum eigene Forschungsstationen haben.

Inaktivität berechnen

Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung präsentierte einen Plan, wie man zu mehr Geld für die Forschung kommen kann. Ratspräsident Hannes Androsch forderte in seiner Eröffnungsrede zu den Technologiegesprächen von der Bundesregierung eine "Roadmap" zur Umsetzung ihrer Forschungsstrategie .

Auf der Internetseite des Rats kann man nun anhand eines "Inaktivitätscounters" beobachten, wie viel man für die Forschung freimachen könnte und was der Reformstau kostet. Ein "Aktivitätscounter" macht hingegen deutlich, wie viel Kapital durch Reformen bereits gewonnen wurde. Konkret können durch Reformen bei Pensionen, Gesundheit und Verwaltung kurzfristig bis zu 3,5 Milliarden Euro eingespart werden. "Empfehlungen, wie Forschungsinfrastruktur angeschafft und finanziert werden soll und wie Institute zusammenarbeiten können, stellen wir zudem einer Internetdiskussion zur Verfügung", sagte Ludovit Garzik, Geschäftsführer des Rats. User können auf der Homepage aktiv an der Diskussion teilnehmen. Die Ergebnisse werden gesammelt und fließen in die Empfehlungen des Beratungsgremiums der Bundesregierung ein.

http://www.rat-fte.at/counter.html