Alpbach. Internet und Smart Phones verändern die Wahrnehmung der Stadt: Mit personalisierten, auf das Interesse des Nutzers zugeschnittenen Informationen "nehmen Menschen Orte immer häufiger unterschiedlich wahr - nicht ohne Auswirkungen auf ihr physisches Mobilitätsverhalten im urbanen Raum", sagte Katja Schechtner vom Austrian Institute of Technology (AIT) am Freitag im Rahmen der Alpbacher Technologiegespräche. Sie nimmt am Arbeitskreis "Die Zukunft der urbanen Mobilität" teil und stellt fest, dass die künftige Stadt- und Verkehrsplanung auf das veränderte Mobilitätsverhalten ausgerichtet sein müsse.

Eigenes Bild eines Ortes


Es ist wie bei den Online-Zeitungen: Dem Leser werden aufgrund eines angeklickten Artikels weitere Vorschläge gemacht, was ihn noch interessieren könnte. Mit derartigen Filtern werden immer häufiger nur noch personalisierte Informationen über eine Stadt von Einzelnen aufgenommen. Das Phänomen der selektiven Wahrnehmung hat es zwar schon immer gegeben, doch die Menschen nehmen die gleichen Orte, etwa den Park oder das Café, "noch unterschiedlicher wahr als vor der Erfindung des Internets und Handys", so die Leiterin des AIT-Geschäftsbereichs Dynamische Transportsysteme: "Das eigene Bild eines Ortes wird immer mehr verstärkt - und damit der Erlebnisraum Stadt immer mehr eingeschränkt."

Das kann durchaus auch positive Auswirkungen haben: "Wir sehen jetzt schon, dass es dadurch zu einer Verlagerung in Richtung öffentlicher oder multimodaler Verkehr kommt", so die Expertin.

Neue Kulturtechnik


Mit den neuen Technologien ergeben sich auch für die Gesellschaft neue Möglichkeiten der Partizipation. "Viele Sensorik-Systeme können von den Bürgern mitbenutzt werden", so Schechtner mit Verweis auf Roadify.com, einem freien Handy-Service, bei dem Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln andere Nutzer in New York City über die Ankunftszeiten von Bussen und U-Bahnen informieren. Aus der bürgerlichen Mitbenützung und -Mitgestaltung der verschiedenen Daten aus Städten werde sich vermutlich einmal "eine neue Kulturtechnik entwickeln" - ermöglicht durch die Neuen Medien.

"Schaut man heute auf eine Stadt, ist sie fast schon ein lebender Computer" - mit den neuen Technologien und Daten wie etwa aus dem Mobilfunk "können wir heute Dinge verstehen, wie wir sie vorher noch nicht verstehen konnten", verweist der italienische Architekt Carlo Ratti auf neue Möglichkeiten, für Städte sowie alltägliche Gegenstände wie das Fahrrad energie- und ressourcenschonende Lösungen zu entwickeln und gleichzeitig die Lebensqualität der Bürger zu erhöhen.