Alpbach. (wak) "Bergkristalle!" Während im Tiroler Kongresszentrum Alpbach über den Sinn der Marktwirtschaft anlässlich des Beginns der Wirtschaftsgespräche erörtert wurde, wurden zwei Volksschüler im Dress der Freiwilligen Feuerwehr vom unternehmerischen Geist ergriffen. Treppauf, treppab liefen sie mit einer Schüssel durch das Bergdorf, um Bergkristalle, à ein Euro das Stück, an den Mann zu bringen.

Im Kongresszentrum warnte der Industriellenvereinigungs-Präsident Veit Sorger in seinem Eröffnungsstatement vor einer Rückkehr zu einer stärkeren Staatswirtschaft. Schuld an der Krise seien nicht primär "profitgierige Manager", sondern eher kurzfristig orientierte, auf Wahlerfolge schielende Politiker.

Carl Christian von Weizsäcker, emeritierter Professor der Volkswirtschaftslehre (und Sohn des Philosophen Carl Friedrich von Weizsäcker), sagte: "Aus den Umfragen in Deutschland geht ein stabiler Trend hervor, nämlich, dass die Unterstützung des marktwirtschaftlichen Systems schwindet." Die Hoch-Zeit dieses Systems war wohl während und knapp nach dem Kalten Krieg.

Doch nun habe die kommunistisch organisierte Nation China, die mittlerweile Export-Weltmeister ist, gezeigt, dass man auch ohne den traditionellen Background der Marktwirtschaft ein ernstzunehmender Spieler auf dem Markt sein kann. "Es geht nicht mehr darum, den Einkäufer zu bestechen, oder durch gute Verbindungen eine Geschäftsbeziehung aufzubauen", so von Weizsäcker. "Es geht nur um gute Ware. Sozusagen eine Verdinglichung des Vertrauensverhältnisses von früher."

Spagat zwischen Nutzen und Ressourcen


Unternehmer und qualifizierte Arbeitskräfte sowie Deutschland, Österreich und China generell haben von der Globalisierung profitiert. "Schon der Ökonom Adam Smith hat gesagt, dass der Erfolg des Einzelnen auch der Gemeinschaft nützlich ist. Gute Ware ist für alle gut, auch wenn das System als Brutherd des Egoismus verschrien ist." Schließlich zitierte Weizsäcker den österreichischen Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek: Der Preis von Produkten habe im Regelfall Signalwirkung. Dadurch könne man sein Handeln bestimmen - man spare automatisch, wenn einem etwa die Mineralölsteuer zu hoch erscheint. Auch wenn leider Treibhausgase noch nicht richtig eingepreist worden wären.

"Wenn alles den richtigen Preis hat, können wir uns auf andere Ziele konzentrieren, die moralisch wichtig sind." Man könne zum Beispiel innovativ sein. "Natürlich haben die Erfinder von Lösungen von Microsoft viel Geld gemacht. Doch der Nutzen dieser Produkte für die Gesellschaft ist ungefähr 100 Mal höher." Preisbildungen seien wichtig, damit ethische und soziale Energien für andere Ziele freigesetzt werden. Eine richtige Preisbildung schafft den Spagat zwischen Nützlichkeit und Ressourcen.

Die zwei Burschen von der Freiwilligen Feuerwehr waren übrigens hochzufrieden mit ihrer Preisbildung. 25 Euro hatten sie in wenigen Stunden eingenommen, bei einem Aufwand, der ihnen sehr gering vorgekommen ist.