Bildung als Wohlstandsfrage


Bildung sehen die Jungen zunehmend als Wohlstandsfrage: "Aus- und Weiterbildung genießen den höchsten Stellenwert - jedes Talent wird individuell gefördert. Gleichzeitig ist der Zugang dazu umkämpft, da eine gute Ausbildung über Lebenschancen entscheidet", heißt es. Die Kluft zwischen jenen, die Wissen haben, und jenen, die es beruflich nutzen können, tut sich weiter auf.

"Die politische Rhetorik dreht sich viel um das Konzept einer Wissensgesellschaft. In Wahrheit aber geht es um die Fähigkeit, Netzwerke zu bilden", betonte Howard Williamson, Professor für Europäische Jugendpolitik an der University of Glamorgan in Wales, am Eröffnungsabend des Forum Alpbach. "Viele Arbeiter-Kinder studieren in der ersten Generation. Intellektuell und akademisch sind sie genau so gut wie alle anderen guten Studenten. Dennoch verrichten sie später oftmals Jobs, die ihrer Ausbildung nicht entsprechen, weil sie sich weder der akademischen und beruflichen Netzwerke ihrer Eltern bedienen können, noch die Eltern das Geld haben, sie zu unterstützen, bis sie sich eigene Netzwerke aufgebaut haben."

Gleichzeitig fürchten sozial benachteiligte junge Menschen, an den Rand gedrängt zu werden. Einer Jugendwertestudie der Arbeiterkammer zufolge sind allein in Österreich drei von vier jungen Erwachsenen der Ansicht, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht. Williamson sieht die Notwendigkeit einer Koalition von sozial Benachteiligten und jenen desillusionierten Intellektuellen, die nicht auf ihre Rechnung kommen. Und er betont: "Wenn wir von den Jungen erwarten, die Folgen der Wirtschaftskrise zu tragen, kann es gut sein, dass sie uns vorwerfen, wir Alten hätten nur für uns selbst gesorgt und nach der Krise die Zugbrücke hinter uns zugezogen." Dann sei es gut möglich, dass die Jungen dann Euthanasie für alle Menschen ab 70 fordern, warnt Williamson.

Werner Weidenfeld, Direktor des Zentrums für Angewandte Forschung in München, hält massive politische Umwälzungen für nötig: "Nach dem Gelingen des europäischen Friedensprojekts und der damit verbundenen nostalgischen Wärme, nach dem Wegfall der Fronten zwischen Ost und West, steht die EU unter einem neuen Begründungsdruck", sagt er am Eröffnungsabend: "Der Fiskalpakt kann nicht das Ende unserer Geschichte sein. Wenn es gelingen soll, ein Europa mit Zukunft zu schaffen, dann sind politische Union, weltpolitische Mitverantwortung und ein Gründergeist für die nächste Generation eng miteinander verwoben." Bleibt zu hoffen, es gelingt.

Europäisches Forum Alpbach, Seminarwoche bis 22. September, danach bis 1. September Gesundheitsgespräche, Technologiegespräche, Politische Gespräche, Wirtschafts- und Finanzmarktgespräche.

www.alpbach.org