"Wiener Zeitung": Bei den Technologiegesprächen hier in Alpbach haben Sie die Diskussion "Von der Forschung zum wirtschaftlichen Erfolg" geleitet. Eine Studie der KMU-Forschung zeigt aber anhand von 40 EU-Projekten, dass wissenschaftliche Arbeit nur in Ausnahmefällen ökonomischen Erfolg hat. Was sollten wir anders machen?

Helga Nowotny: In den USA gibt es ein innovationsbegieriges wirtschaftliches Umfeld. Davon hat Europa weniger, unser Markt ist enger. Es gibt weniger Risikokapital, was erklärt, warum man sich nicht leichtfertig Fehler leisten will, und wir haben eine größere Regulierungsdichte. Wir müssten eine Kultur schaffen, die toleranter mit Fehlern umgeht. Speziell in Österreich könnten wir zudem mehr steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten bieten, um Forschung zur Innovation zu bringen.

Die Bundesregierung heftet sich Innovation auf die Fahnen, aber in den Innovationsrankings fallen wir zurück. Haben Sie eine Empfehlung für die Forschungspolitik im Vorfeld der Nationalratswahlen?

Wir sind im Mittelfeld. Die politische Strategie, zu den Innovationsführern aufzusteigen, ist ein großer Anspruch, den man nicht von heute auf morgen einlösen kann, denn Österreich wird wirtschaftlich von Klein- und Mittelbetrieben getragen. Dennoch wäre ich nicht so pessimistisch. Wir benötigen nur mehr Eigeninitiative. Meine Empfehlung ist, die Forschungsstrategie umzusetzen und der Forschung, Bildung und Innovation in der politischen Agenda den Platz einzuräumen, den sie für die Gestaltung der Zukunft Österreichs brauchen, einschließlich deren Finanzierung.

Welcher Weg führt von der Forschung zum Markt?

Den Königsweg gibt es nicht. Der Weg zur Innovation ist komplex und vielfältig und durchaus auch vom Timing abhängig. Es gibt zwar Unmengen von Fallstudien, aber keine Theorie der Innovation - sie ist wie die Grundlagenforschung ungewiss im Endergebnis. An Versuch und Irrtum führt kein Weg vorbei.

Das Europäischen Forschungsrat (ERC) fördert nun mit der "Proof of Concept"-Schiene auch Innovation. Als dessen Präsidentin und damit Hüterin der Grundlagenforschung widmen Sie sich also auch Anwendungen. Geht es nicht mehr ohne?