Wie kann man etwa als armes oder kriegsgeschütteltes Land im Good Country Index punkten?

Die Idee von reichen Ländern, die an arme Länder spenden, könnte mich nicht weniger interessieren. Es geht nicht um Hilfe, sondern auch viel um Selbsthilfe und vor allem um Kooperation, auch zwischen armen Ländern. Natürlich erwarten wir von Syrien im Moment nicht, dass es viel Entwicklungshilfe an andere Länder schickt. Aber ich finde es nicht gut, wenn Länder nur zusammenarbeiten, wenn sie wirklich keine andere Wahl haben. Das ist doch Wahnsinn. Ich würde gerne sehen, dass Kooperation mit anderen Ländern eine normale Angewohnheit von Staaten wird. Die niedrigste Stufe für Zusammenarbeit ist, dass eine Regierung sich danach umsieht, was andere Länder tun. In Großbritannien ist es grade sehr trendig, das skandinavische Modell zu kopieren. Ich schätze das ist Stufe zwei. Stufe drei ist, wenn man aufhört, herumzuschleichen und andere auszuspionieren und sich tatsächlich mit anderen Ländern zusammensetzt und sagt: Ihr habt ein paar interessante Lösungen zu Problemen, die wir auch haben, also lasst uns zusammenarbeiten. Etwa Mexikos Narco-Problem. Es kann nicht auf nationaler Ebene gelöst werden, weil es ein globales Problem ist.

Warum kann internationale Entwicklungshilfe dem Ruf eines Landes schaden?

Was den Ländern nachhaltig schadet, sind die Kampagnen, die Entwicklungshilfe begleiten und den Ruf eines Landes im Bewusstsein der Öffentlichkeit verändern. Egal ob das jetzt NGOs sind oder Bono und Geldof, die Afrika wie einen hoffnungslosen Fall hinstellen. Sie haben das wohl mit den besten Absichten gemacht, aber es hat nebenbei eine veraltete Sicht von Afrika promotet, nämlich das eines riesigen gescheiterten Kontinents, voll von verhungernden Kindern, denen Fliegen in die Augen krabbeln. Ich glaube, dass Afrika jetzt in einem sehr interessanten Stadium seiner Entwicklung ist. Zum ersten Mal in der Geschichte sind die Menschen bereit, auch Erfolgsgeschichten aus Afrika zu hören. Ich hoffe, dass das nicht nur die Gier der Afrika-Investoren ist, die das bewirkt. Afrikas größtes Problem ist, dass die Welt seiner Kultur mit kompletter Ignoranz begegnet. In meiner Forschung habe ich auch entdeckt, dass wir unfähig sind, ein Land zu respektieren, von dem wir glauben, dass es sich nicht selbst respektiert. Das liegt in der menschlichen Natur. Eine eigene Kultur wird als Beleg für diesen Selbstrespekt angesehen.

Was ist der erhoffte praktische Nutzen Ihres Good Country Index?

Ich wollte die Aufmerksamkeit der Menschen auf diesen Aspekt ziehen und ihnen eine Karte der Welt zeigen, die sie vorher noch nicht gesehen hatten. Diese fußt darauf, wie viel Gutes ein Land nach außen hin leisten kann, anstatt nur nach innen. Es hat genau die Reaktion gebracht, die ich erwartete. Eine Menge Überraschung, Ärger, Freude und Verwirrung. Das ist gut, um eine Debatte anzustoßen, und das wollte ich. Am Ende ist da aber nicht nur der Index, sondern ein ganzes Good Country Project. Der tiefere Sinn des Projekts ist es, die Menschen dazu zu bringen von ihren Regierungen zu verlangen: Ich will in einem guten Land leben.