"Wiener Zeitung": Universitäten stehen zwischen Freiheit der Forschung, gesellschaftlicher Relevanz und dem Druck und ihrer Rolle als Nährboden für Innovationen: Dieses Spannungsfeld skizzierte Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner am Mittwoch zur Eröffnung des Hochschultags beim Forum Alpbach. Wie würde eine Uni-Finanzierung aussehen, die es ermöglicht, diesen Auftrag bestmöglich zu erfüllen?

Oliver Vitouch: Die Wissenschaft nimmt diese Aufträge gerne an. Das Problem ist aber, dass in Österreich die Ausstattung in Relation zu den Erwartungen problematisch ist. Es ist schwierig, die Erwartungsspirale noch höherzuschrauben, aber die Rahmenbedingungen, die die Universitäten benötigen würden, um diese Leistungsfähigkeit zu entfalten, nicht in einer Aufwärts-, sondern einer Seitwärtsbewegung zu behandeln.

Heißt das, mit den gegenwärtigen finanziellen Mitteln ist eine Aufwärtsbewegung unmöglich?

Das würde ich wieder nicht sagen, aber mit der Leistungsfähigkeit der Unis in anderen Ländern ist es deutlich besser bestellt. Weit vorne liegen der angelsächsische Raum, die Schweiz und Skandinavien, und auch China holt auf. Man sieht dort all die Dinge, die zu Recht gewünscht werden. Auch Start-ups und Spin-off-Gründungen aus Universitäten heraus sind dort häufiger. Dazu braucht es Erkenntnisse und die Möglichkeit zur Umsetzung mit anderen Worten: Wer aber ein ganzes Wochenende lang Prüfungsarbeiten korrigiert, gründet kein Spin-off.

Im UNO-Ranking zur Innovationsfähigkeit liegt Österreich auf Platz 20, die Schweiz bleibt Nummer eins. Erreicht man die Spitze ausschließlich mit mehr Geld?

In Österreich haben wir eine ganz spezifische Mischung. Sie setzt sich zusammen aus dem freien Uni-Zugang, der eigentlich zum Etikettenschwindel geworden ist, einer chronischen Unterfinanzierung der Unis und dem Anspruch an Spitzenleistungen. Diese Mischung ist wie die Quadratur des Kreises oder ein Perpetuum Mobile: Man kann sich noch so sehr wünschen, dass es aufgeht, doch es wird nicht passieren. Das heißt, man muss faktisch die Rahmenbedingungen ändern und die Unis im Rahmen ihrer Kapazitäten leistungsfähiger machen. Das hat auch mit einer größeren Ernsthaftigkeit, was das Studium anbelangt, zu tun und, wie wir am Beispiel Schweiz sehen, wahrscheinlich mit mehr Bekenntnis zu Exzellenz und Spitzenleistungen. Zum Begriff Spitze hat Österreich ja durchaus ein schlampiges, wahrscheinlich auch ein Hass-Liebe-Verhältnis.