Aus den Mitteln aus der Bankensteuer für Wissenschaft und Bildung ist Geld für Ganztagsschulen vorgesehen, aber keines für die Unis. Könnte sich daran im Finanzrahmen für das Budget 2019-21 doch noch etwas ändern?

Die Ganztagsschulen sind wichtig und man kann nicht alles gleichzeitig machen. Worum es den Unis aber geht, ist keine Triennale, bei der wir alle drei Jahre um den Teuerungsausgleich verhandeln. Wir wollen einen längerfristigen Budgetpfad, der dorthin führt, wo wir im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsdynamik sein sollten, nämlich bei zwei Prozent des BIP im tertiären Sektor.

Dieses Ziel ist für 2020 angepeilt. Derzeit sind wir allerdings erst bei 1,5 Prozent.

Es ist eine banale Offensichtlichkeit, dass wir 2020 nicht dort sein werden, sondern eher nach wie vor bei 1,5 Prozent. Drei Jahre auf oder ab machen allerdings wenig Unterschied. Vielmehr müsste ein Gestaltungswille und ein politischer Plan erkennbar sein, welche Änderungen erforderlich sind und angegangen werden, um dorthin zu führen. Meine Erwartung an die Politik wäre somit, dass dieser Zug zum Tor - also das Gegenteil von Reformstau - entsteht. Aber noch fehlt mir die Zuversicht, dass die Tore geschossen werden.

Welche Spielzüge wünschen Sie sich?

Zum einen muss eine entsprechende Finanzierungsbasis gesichert werden, im Vergleich zu anderen Ländern sind wir da ein sattes Stück weit hinten. Zum anderen muss man sich überlegen, wie viele Absolventen es in welchen Sparten braucht. Zu sagen, wir machen alles völlig frei und interessensgeleitet, aber in Verbindung mit einer geringen Verbindlichkeit und schlechter Ausstattung, ist eine giftige Mischung, bei der in manchen Fächern 50 Prozent der Studierenden umsatteln oder als Drop-out enden. Statt dieser Beliebigkeit müssen wir überlegen, welche Schwerpunkte im Sinne einer Gesamtbetrachtung sinnvoll sind.

Läuft das auf mehr Zugangsbeschränkungen hinaus?

Das Wort Zugangsbeschränkung ist von Haus aus vergiftet. Aber was der freie Hochschulzugang im Alltag in vielen Fächern erzeugt, ist alles andere als wohlig, sondern eine zynische Vergeudung von Lebenszeit in den Biografien junger Menschen. Sie sollten Studienbedingungen vorfinden, die diese Bezeichnung auch verdienen. Und sie sollten in einer planbaren Zeit zu einem Abschluss kommen können und Kontakt zu ihren wissenschaftlichen Betreuern haben. Ich bin dafür, Unis zu Aufnahmeverfahren zu ermächtigen, wo sie tatsächlich nötig sind. Hier könnte es auch Automatismen bei Finanzierungsmodellen geben, etwa indem Budgets erhöht werden, wenn die Zahl der zugelassenen Anfänger erhöht werden soll, so wie bei den Fachhochschulen.