"Wiener Zeitung": Unter den Begriff "Open Innovation" wird die Öffnung des Innovationssystems auf möglichst allen Ebenen für breitere Bevölkerungsschichten verstanden. Sie haben am Donnerstag in Alpbach eine Strategie für Open Innovation präsentiert, die in 14 Maßnahmenblöcken umgesetzt werden soll. Was bringt das?

Harald Mahrer: Die Strategie soll neue Potenziale im österreichischen Innovationssystem heben. Neue Kommunikationstechnologien ermöglichen, dass wir die Bürger am Innovationsprozess einbinden und Forschungsgruppen stärker vernetzen. Wir sind die Ersten in Europa, die in einem offenen Innovationsprozess eine solche Strategie entwickelt haben. Es ist ein risikoreicher Prozess, denn er ist ergebnisoffen, aber es können sehr bunte neue Anregungen herauskommen für den Innovationsprozess.

Helga Nowotny: Wer zuerst kommt, kann beispielhaft wirken. In Österreich hat das die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) getan, indem sie die Bevölkerung befragte, welche Probleme im Bereich der Gesundheit ihrer Meinung nach nicht genug berücksichtigt werden. Es stellte sich heraus, dass vor allem die psychosozialen Probleme der Jugendlichen untergehen. Die LBG hat nun ein Forschungsprojekt dazu gestartet. Doch nicht genug damit. Sie führt Schulungen durch, wie man dieses Wissen weitergeben kann. Nun erhält sie ein eigenes Open Innovation Forschungszentrum als Teil der Strategie, um diese Arbeit fortzusetzen. Im Sinn von Open Innovation ist der Innovationsbegriff ein sehr weit gefasster. Er geht über technologische Innovation hinaus und umfasst soziale Innovation.

Wie viel Geld wird in die Hand genommen?

Mahrer: Bei der LBG haben wir Mittel aus der Nationalstiftung investiert und die Open-Innovation-Strategie setzen die Innovatoren selbst um. Die finanziellen Akzente der Bundesregierung sind hier überschaubar, für uns war wichtig, alle Akteure an einen Tisch zu bringen.

Von der Nanotechnologie über Smart Grids bis hin zum 3D-Druck von Organen: Die Digitalisierung bringt jede Menge Neues hervor. Investiert Österreich genug, um mit diesen Technologien mithalten zu können?