Wir scheinen uns aber nicht gut verändern zu können …

Das ist das Problem. Schauen wir uns die Politik in Italien, aber auch in Österreich, an. Man wählt rechts, will keine Ausländer, keine EU, keinen Euro. Hier wird versucht, in der Zeit zurückzugehen – das können wir aber nicht. Die Linke hingegen sagt oft, wir brauchen mehr EU, mehr Wachstum, mehr Einwanderung, mehr Bevölkerung, damit alles so bleibt, wie es ist. Es scheint, es gibt dazwischen aktuell keine Alternative.

Wenn Zusammenbrüche von Systemen unweigerlich stattfinden – warum sollten wir uns überhaupt die Mühe machen, etwas zu ändern?

Wir müssen zulassen, dass sich Systeme verändern, sonst werden sie zusammenbrechen. Zusammenbruch ist nichts anderes als eine sehr schnelle, drastische Veränderung. Und wenn wir uns im Kollaps befinden, müssen wir ihn zulassen – umgehend. Es bringt nichts, dagegen anzukämpfen, im Gegenteil, er zieht sich dann in die Länge.

Stichwort Klimawandel. Dass wir uns ändern müssen, wissen wir schon lange, und doch passiert viel zu wenig …

Die Menschen halten am Alten fest, weil sie es kennen. In Italien engagiere ich mich dafür, dass wir von Verbrennungsmotoren wegkommen. Es gibt aber unglaublich viele Menschen, die daran festhalten. Sie wollen keinen E-Motor. Die werden richtig aggressiv. Sie erleben die Forderung nach Veränderung als persönlichen Angriff.

Klingt ziemlich hoffnungslos …

Wir hätten zu den E-Autos bereits vor 20 Jahren übergehen sollen. Das wäre technisch möglich gewesen. Die Hälfte unserer Fahrzeuge wäre heute elektrisch betrieben, die Menschen daran gewöhnt. Aber da wir das nicht getan haben, müssen wir uns nun sehr schnell verändern – und das birgt Risiken. Diese Schritte schnell zu vollziehen fordert wiederum einen Zusammenbruch heraus. Schauen wir uns in Deutschland, den Dieselskandal, an: Volkswagen ist nicht zerbrochen, aber sie müssen viele Milliarden zahlen, und es gibt ein ernsthaftes Risiko, dass sie Bankrott gehen – eine Form des Zusammenbruchs. Sie haben zu viel, zu schnell gewollt. Hätte Volkswagen aber zeitig auf die Veränderungen am Markt reagiert und etwa vor zehn Jahren begonnen E-Autos zu produzieren, hätten sie diese Probleme umgangen.