Es gibt auch die These, dass der Umstieg auf das E-Auto nicht reicht. Die Zeit des Individualverkehrs sei vorbei. Es brauche radikalere Schritte …

Ja, wir müssen unsere Sicht auf Autos verändern. Denn wir können es uns schlicht nicht mehr leisten, dass jeder einzelne ein großes Auto, geparkt vor dem Haus, besitzt. Das ist ein Modell, das in Zukunft nicht mehr funktioniert. Wir werden weniger und kleinere Autos haben, die gemeinsam genutzt werden.

Wo sehen Sie sonst akute Abgründe nahen?

Es gibt einige Probleme, die sehr schwierig zu lösen sind. Plastik etwa. Neun Milliarden Tonnen sind über die ganze Welt verstreut – und wir wissen nicht, was wir damit tun sollen. Wir entdecken immer mehr Probleme und haben keine Lösungen. Aber manche dieser Probleme sieht man, im Gegensatz zum Klimawandel. Kohlendioxid ist nicht sichtbar. Die Folgen sind indirekt. Natürlich sieht man, dass der Hurrikan das Land verwüstet, dass die Ernte eingeht, wenn eine Dürre herrscht, dass der reißende Fluss die Hütten wegschwemmt. Aber die Menschen tun sich schwer, eine Verbindung zu sehen. Deshalb ist es so schwierig, etwas zu bewegen.

Und auf sozialer, politischer Ebene – sehen Sie die Seneca-Kurve der EU schon am Abfallen?

Klar ist: Anpassung und Veränderung sind auch bei der EU nicht optional. Die Frage ist: schnell oder langsam? Das hört man von Politikern aber nicht. Die Ursache der Probleme Europas ist doch, dass wir wissen, es läuft nicht gut. In Italien reagierten die Leute aber damit, dem Euro die Schuld zu geben, der EU, Angela Merkel und den Einwanderern. Das sind aber nicht die Ursachen, sondern die Folgen.

Wie sieht demgegenüber eine Politik aus, die sich der Probleme und des nahenden Kollapses bewusst ist?

Leider haben wir Politiker an der Macht, die auf die Ignoranz der Menschen setzen. Auch in Italien. Das Land war viele Male bereits eine Art politisches Labor für die Welt. Der Faschismus hatte seine Wiege in Italien. Wir haben in Italien insbesondere einen Politiker, der viel Lärm macht gegen Einwanderer, gegen den Euro, gegen Merkel. Und je mehr Matteo Salvini Lärm macht, desto mehr mögen ihn die Menschen. Das System scheint kurzfristig zu funktionieren, aber es kann nicht lange gut gehen. Die Idee hinter dieser Politik ist: Wir kehren zurück zu besseren Zeiten. Aber wer so redet, und wer das glaubt, hat die Ursachen der Probleme nicht verstanden.