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"Wiener Zeitung": US-Präsident Donald Trump hat einige der renommiertesten Medien der USA zu seinen Lieblingsfeinden erklärt: die "New York Times", die "Washington Post" oder den TV-Nachrichtenkanal CNN. Was bedeuten diese Angriffe für das Meinungsklima im Land?

Anya Schiffrin: Was Trump macht, ist hochgefährlich für die USA. Aber nicht nur das: Trump gibt ein schlimmes Beispiel für andere Länder ab. Mit seinen permanenten Attacken auf Journalisten und bestimmte Medien ermuntert er auch Diktatoren und Demagogen autoritärer Regimes in aller Welt, die in ihren Ländern Medien unter Druck setzen - egal ob in Polen, Ungarn oder in Russland, Weißrussland oder Malaysia. Ich mache Trump dafür mitverantwortlich, dass globale Standards für den Schutz von Journalisten sinken und bürgerliche Freiheiten in aller Welt eingeschränkt werden. Die Entwicklung in den USA ist besorgniserregend: Es gibt Online-Websites, auf denen die Adressen von missliebigen Journalistinnen und Journalisten gepostet werden - was das in einem Land bedeutet, in dem viele Menschen Schusswaffen besitzen, kann man sich leicht ausmalen.

Ist der Respekt in den USA für Journalisten gesunken?

Laut Meinungsumfragen gibt es in den USA einen Vertrauensverlust in Eliten, Institutionen und Experten. Journalisten gehören da ebenso dazu wie Politiker, Anwälte oder Wissenschafter. Trump ist aber aktiv daran beteiligt, dass der Respekt für diese Gruppen weiter sinkt. Er legt sich mit Journalisten an, mit Wissenschaftern, mit Richtern, mit Intellektuellen, aber auch Gewerkschaftern, die mit seiner Meinung nicht übereinstimmen. Jeder, der sich Trump in den Weg stellt, wird angegriffen. Ich betrachte seine Attacken als Teil seines Angriffs auf das Projekt Aufklärung insgesamt. Ich zögere ja, das F-Wort zu benutzen: Die frühere Außenministerin Madeleine Albright hat zuletzt ein Buch mit dem Titel "Faschismus - eine Warnung" veröffentlicht, in dem sie darlegt, wie faschistoide Tendenzen in Europa, in Teilen Asiens und den Vereinigten Staaten um sich greifen. Meiner Meinung nach hat Trump nicht unbedingt eine faschistische Ideologie, aber er wendet faschistische Taktiken an.

Die kritischen US-Medien sind so gut wie lange nicht: Beinahe täglich werden Skandale und Skandälchen aus dem Weißen Haus aufgedeckt.

Absolut. Worüber aber kritische Journalisten ziemlich schockiert sind, ist, dass all die Enthüllungen überhaupt keinen Einfluss auf das Urteil seiner Anhänger haben. Absolut null. Bei jedem anderen Präsidenten hätte auch nur eine dieser Affären und Skandale entweder zum Rücktritt oder zum Impeachment - also zur Amtsenthebung - geführt. Aber Donald Trump ist aus Teflon.