Wie wirkt sich diese "social depletion" in der Zukunft aus? Die potenzielle Arbeitskraft ist ja erschöpft, und es stellt sich zudem die Frage, ob diese Menschen eine neuerliche Krise aushalten können.

Man spricht über Resilienzstrategien, die Menschen entwickeln. Da ist natürlich die Frage, in welchem Bereich, diese Menschen überhaupt wieder beruflich einsteigen können. Es ist vor allem im öffentlichen Sektor gekürzt worden, und hier sind traditionell überproportional Frauen beschäftigt. In welchen Bereichen können sie, vor allem junge Menschen, überhaupt wieder einsteigen? In Griechenland ist das natürlich ein großes Thema. Es wird sich zeigen, wie diese Problematik in Zukunft ausgeglichen werden kann. Innerfamiliär passiert dies: Wir wissen, dass in Griechenland viele junge Menschen zu ihren Eltern zurückgezogen sind. In Spanien war das aufgrund der starken Jugendarbeitslosigkeit auch der Fall. Entweder man zieht zu seinen Eltern, oder man emigriert ins Ausland.

Früher gab es längere Abstände zwischen Krisen, heute scheint alles schneller zu gehen.

Ja, es gab jetzt alle zehn Jahre immer wieder eine Krise, Ende der 1980er, Ende der 1990er, 2008. Heute, 2018, müssen wir einmal abwarten. Was bringt der Brexit? Was passiert mit den Immobilien im Euroraum? Von der Migrationskrise oder der Umweltkrise ganz zu schweigen.

Eine Zeitlang hat es so ausgesehen, als ob in Europa der  Schulterschluss gegen die Krise gelingt. Nun gewinnen aber immer mehr  Parteien Einfluss,die EU-kritisch sind.

Das sind auch Folgeeffekte von Krisen: Die Menschen fürchten um ihr Hab und Gut, ihre eigene Sicherheit, ihre soziale Sicherheit. Auch in Ländern wie Österreich oder Deutschland. Das führt natürlich oft dazu, dass man eine Sündenbock-Politik betreibt und populistische Parteien gewählt werden.