Wien. Vinzenz Stürgkh und Moritz Weese sind Schüler am Gymnasium Maria Regina in Wien. Sie besuchen dort das Wahlpflichtfach "European Relationships" und "International Cooperations". Zurzeit dreht sich in ihrem Unterricht viel um das Thema Europa. Ende Jänner waren sie mit ihrer Klasse bei einer Podiumsdiskussion der Plattform "Europa: Dialog" mit dem Politikwissenschafter Anton Pelinka im Haus der Europäischen Union in Wien zu Gast. Wir haben sie nach der Diskussion interviewt.

"Wiener Zeitung": Während der Diskussion fiel häufiger die Formulierung "in 50 Jahren" mit dem Zusatz: "Aber das werden wir nicht mehr erleben." Wie geht es Ihnen, wenn man auf diese Weise über Ihre Zukunft spricht?

Vinzenz Stürgkh: Ich hoffe, dass dies nicht bedeutet, dass erwachsene Politiker und die EU im Sinne von "die Auswirkungen erleben wir nicht" denken und handeln, sondern dass sie nachhaltig arbeiten. Damit wir eine positive Zukunft haben.

Krisen bringen Veränderung. Moritz Weese und Vinzenz Stürgkh Ende Jänner im EU-Haus in Wien. - © WZ
Krisen bringen Veränderung. Moritz Weese und Vinzenz Stürgkh Ende Jänner im EU-Haus in Wien. - © WZ

Moritz Weese: Dass so geredet wird, hat allerdings auch mit dem Faktum zu tun, dass sich nur wenige Jugendliche für Politik interessieren. Nur wenige engagieren sich oder versuchen, sich politisch weiterzubilden. Auch bei dieser Diskussion waren ja nur wenige unter 20-Jährige da.

Vinzenz Stürgkh: Es gibt aber auch zu wenig Politische Bildung an der Schule. Ein Problem ist, dass wir nicht wirklich mit den Lehrern diskutieren können, weil sie ihre persönliche politische Meinung aus dem Unterricht heraushalten müssen. Der Effekt ist, dass das Thema Politik in keinem Fach wirklich angesprochen wird. Ich finde, Lehrer sollten ihre Meinung preisgeben dürfen. Auch wenn es uns vielleicht in gewisser Weise beeinflusst, so regt es uns doch zum Denken an. Es wären einfach zusätzliche Eindrücke, denn die meisten gehen nach dem, was ihre Eltern sagen. Wenn jetzt noch weitere Personen dazu kommen, die uns sagen, was sie wählen und warum, dann ist das eigentlich eher positiv.

Moritz Weese:Es wird immer gefordert, dass alle Menschen politisch gebildet und ambitioniert sein sollen. Diese politischen Menschen können aber nur dann entstehen, wenn wir Schüler wirklich anfangen, politisch zu diskutieren und zu argumentieren.

In dem Gespräch mit Anton Pelinka wurden viele verschiedene Themen angesprochen, unter anderem auch Religionsfreiheit, die Mindestsicherung und die Möglichkeit einer europäischen Verteidigungspolitik. Beschäftigen Sie denn diese Fragen eigentlich?

Vinzenz Stürgkh: Ja, zum Beispiel die Frage der Religionsfreiheit und die "Kopftuchdebatte" ist sehr interessant. Für mich ist es kein Problem, wenn jemand ein Kopftuch trägt oder andere religiöse Zeichen in der Öffentlichkeit zeigt. Das Problem ist aber, wenn man ein Kopftuchverbot hat, sollte man auch das Kreuz verbieten, das bei uns an der Schule in jedem Klassenraum hängt. Warum sollte man einer Religion ihre religiösen Symbole verbieten und sie einer anderen erlauben?