Protokollarischer Empfangsbereich des Europäischen Parlaments in Straßburg. Nur wenige Europäer, ob Schüler oder nicht, bekommen die EU jemals live zu Gesicht. - © Reuters/Vincent Kessler
Protokollarischer Empfangsbereich des Europäischen Parlaments in Straßburg. Nur wenige Europäer, ob Schüler oder nicht, bekommen die EU jemals live zu Gesicht. - © Reuters/Vincent Kessler

Wien/Eggenburg. Die Landesberufsschule Eggenburg im östlichen Waldviertel ist auf Fahrzeug- und Karosseriebautechnik spezialisiert. 1500 Lehrlingen im Jahr werden hier Allgemeinbildung und Fachwissen vermittelt. Eine weniger offensichtliche Spezialisierung der Schule ist das Thema Europa. Die Schule engagiert sich seit vielen Jahren in verschiedenen Projekten gemeinsam mit den Schülern für die europäische Idee. Seit 2017 ist die Berufsschule Eggenburg nun auch eine sogenannte Botschafterschule des Europäischen Parlaments. Insgesamt gibt es 63 solcher Schulen in Österreich, Eggenburg ist eine der wenigen Berufsschulen, die sich bisher dafür zertifiziert haben. Berufsschuldirektor Christian Bauer und die beiden Berufsschullehrer Armin Bauer und Thomas Bednar, die Politische Bildung und Religion unterrichten, erzählen im Interview, wie man das Thema ?Europa? für Schüler spannend macht.

?Wiener Zeitung?: Im Dezember 2017 wurde Ihre Schule als ?Botschafterschule des Europäischen Parlaments? zertifiziert. Warum ist das Europathema so wichtig für Sie?

Christian Bauer: Wir sind durch den damaligen Landesschuldirektor Toth auf die Ausschreibung aufmerksam geworden und stellten fest, dass wir bereits alle Bedingungen einer Botschafterschule erfüllen, weil uns das Thema Europa immer ein Anliegen war. Unsere Erfahrung ist, dass es darauf ankommt, die EU wirklich erlebbar zu machen. Wir haben seit 2012 Schüler-Austauschprogramme mit Partnerschulen in Litauen, Estland, Deutschland, Tschechien. Die Berufsschule in Brünn ist in Tschechien unser Partner. Wir arbeiten gerade daran, dass per Video ein gemeinsamer Unterricht möglich ist - über den Schüler- und Lehreraustausch hinaus.

Thomas Bednar: Über das ?Lets Walz?-Programm der Wirtschaftskammer sind unsere Schüler auch in Irland und in Großbritannien unterwegs...

Christian Bauer: Außerdem organisieren wir einen europaweiten Wettbewerb für Kfz-Mechaniker, der jedes Jahr in einem anderen Land ausgetragen wird. Da sind unter anderem Deutschland, Frankreich, Tschechien, Polen, Ungarn, Slowenien, Slowakei und Litauen dabei. So lernen unsere Schüler andere Länder kennen, die nicht unbedingt Urlaubsdestinationen sind.

Wie denken Ihre Schüler über Europa? Verändert sich die Einstellung durch die ganzen Aktivitäten?

Christian Bauer: Europa oder vielmehr die EU sind für die Schüler abstrakte Themen und zugleich eine Selbstverständlichkeit. Sie sind mit den freien Grenzen aufgewachsen.

Thomas Bednar: Die Brüsselreise, die wir im letzten Winter mit 19 Schülerinnen und Schülern gemacht haben, hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wir hatten großartige Führungen. Das hat einiges an Bewusstseinsbildung, gerade in Bezug auf die EU-Wahl und das Wahlrecht bewegt.