Unter den Videos, die Schülerinnen und Schüler zur "Future Challenge" der "Wiener Zeitung" eingereicht haben, gibt es viele ernste und traurige Beiträge, aber auch viel Satirisches und Lustiges. Schnell ist klar: Nicht "die Flüchtlinge" sind für die Jugendlichen das Thema, sondern unsere Vorurteile, unser Bestreben, die geflüchteten Menschen nach Möglichkeit draußen zu halten. Wir wollen eigentlich nichts über Flucht wissen, von den Flüchtlingen schon gar nichts, das ist – den Videos nach zu urteilen – die Krise, mit der wir es zu tun haben.
Vor einem Jahr startete der Videowettbewerb "Future Challenge - Alle reden über Flüchtlinge, aber was sagt die Jugend?". Mehr als 60 Schulen aus ganz Österreich haben sich beteiligt, rund 70 Filme wurden bei der "Wiener Zeitung" eingereicht. Bis Ende April lief das "Voting". Die Videos, die am häufigsten geteilt und "geliked" wurden, stehen nun auf einer Shortlist und haben Chancen, unter die drei besten Arbeiten zu kommen, die Ende Mai bei einem Abschlussevent mit Podiumsdiskussion zu den Fragen prämiert werden.
"Wir möchten mit der ‚Future Challenge‘ erreichen, dass die Meinung von Jugendlichen zum Thema Flucht gehört wird", sagt Wolfgang Riedler, Geschäftsführer der "Wiener Zeitung". In den Videos geht es vielfach um den politischen und gesellschaftlichen Umgang mit Flucht. "Hol mir mal a Bier! Gemmma, gemma, gemma": Das Video des Abteigymnasiums Seckau etwa zeigt die Einstellungen von "Herr und Frau Österreicher" und die einseitige Berichterstattung der Medien. Der autoritäre Vater, der die Mutter Bier holen schickt und kein gutes Wort für seinen Sohn hat, hat zwar noch nie einen Flüchtling kennengerlernt, aber aus dem Fernsehen weiß er: "Die fressen uns jetzt schon die Äpfel weg."
Die Schüler und Schülerinnen legen den Finger in die moralischen Wunden unserer Gesellschaft. "Wo gehtstn hi, wenn kua huamat mea host?", fragt etwa eine Klasse der HAK Frauenkirchen im Burgenland rhetorisch. "Gewalt ist die letzte Zuflucht der Unfähigen - doch die einzige Lösung der Mächtigen", heißt es in dem Video des BRG Wallererstraße aus Wels. Und: "By the way, warum redet man von ‚ihnen‘, wo wir doch ein ‚wir‘ sind und unseren Nächsten lieben?"
Die Videos stehen auf der Playlist der Wiener Zeitung unter www.wienerzeitung.at/youtube weiterhin zum Ansehen bereit. Wir, die "Wiener Zeitung", möchten noch einmal allen Schülerinnen und Schülern für ihre Einreichungen danken. Wir freuen uns auf spannende Diskussionen am 30. Mai in Wien.
Am 1. Juni beginnt unsere zweite Future Challenge. Diesmal geht es um das große Thema Zukunft. Unter dem Titel "Leben 2030" fragen wir wie Jugendliche Themen wie Digitalisierung, Umwelt, Energie oder Arbeit sehen. Die Future Challenge Leben 2030 ist erneut ein Videowettbewerb, an dem sich alle höher bildenden Schulen beteiligen können. Mehr zu dieser Challenge finden Sie ab Juni unter wienerzeitung.at/futurechallenge.