Ohnmacht angesichts von Klimawandel und Digitalisierung
Woher kommt dieses Gefühl der Ohnmacht? Muss man die Ursache vielleicht bei den Problemen selbst suchen? "Es ist nur zu verständlich, angesichts der vielen Schrecken der Gegenwart nichts anderes als die Apokalypse zu erwarten", sagt etwa Paul Poet. Der Filmemacher sieht die Gesellschaft in der Verantwortung, die gewaltigen Probleme zu lösen. Er verweist außerdem darauf, dass sich die Politik bisher als unzuverlässig erwiesen hat, wenn es darum ging, glaubwürdige Antworten zu finden – zumindest legen dies die Beiträge der Jugendlichen nahe. "Wir sehen einfach eine Skepsis, dass diese kapitalistische Weltregulation weiterhin funktioniert. Das ist ja eigentlich auch wahr. Von dieser Unverblümtheit sollten wir ganz schnell lernen", sagt der Regisseur.
Alexander Eppler sieht das anders. Man könne nicht "alles vom Staat erwarten", meint der Unternehmer, der eine Spenglerei in Wien führt. "So manche Entwicklung in gesellschaftlicher oder ökologischer Hinsicht gibt oft nicht sehr viel Anlass zu Optimismus. Allerdings muss man den Fakten ins Auge sehen und eigenverantwortlich kreative Lösungen für die künftigen Herausforderungen finden. Letztendlich muss man sich etwas einfallen lassen, was – zugegeben – wir als Eltern- und Großeltern-Generation oft auch einmal ‚verbockt‘ haben", sagt Eppler.

Kann die Schule etwas ändern?
"Wir können entweder sagen, wir sind passiv der Welt, wie sie ist, ausgeliefert und können nur reagieren, oder wir können sagen, wir sind selbst diejenigen, die die Welt gestalten und verändern können", sagt auch Christiane Spiel. Allerdings fragt sie sich, ob denn die Schule junge Menschen tatsächlich in die Lage versetzt, aktiv zu werden. Die Welt verändern und Verantwortung übernehmen zu wollen, setzt Selbstvertrauen und Mut voraus – Fähigkeiten, die die Schule offenbar nicht ausreichend vermittelt: "Die Schule muss sich bemühen, Jugendlichen die Neugier zu erhalten. Sie müsste junge Menschen ständig mit Aufgaben konfrontieren, die nicht eine einzige richtige Lösung haben und die sie nur in unterschiedlich zusammengesetzten Teams lösen können", so Christiane Spiel.

Kinder gebildeter Eltern im Vorteil
Zur größten Sorge der Jugendlichen zählt neben der Angst vor dem unwiederbringlichen Verlust der Natur die Angst vor einer sinnentleerten Existenz: 2030 könnten Maschinen das Alltagsleben bestimmen und die kreativen Fähigkeiten des Menschen überflüssig machen, ist eine der Thesen. Viele Videos warnen außerdem sehr eindringlich vor dem befürchteten Ende der Demokratie. Der zukünftige Staat ist ein Überwachungsstaat, der eben keinen offenen Diskurs mehr zulässt. "Diese warnende Haltung hat uns sehr beschäftigt", sagt Mathias Ziegler, Redakteur der "Wiener Zeitung" und Mitglied der Redaktionsjury. "Wir haben bei der Wahl unseres Favoriten aber bewusst ein Video gewählt, das aufzeigt, dass wir es selbst in der Hand haben, unsere Zukunft auch positiv zu gestalten."

Optimismus, eine Frage der sozialen Herkunft
Ob es gelingt, sich bei aller Angst auf die Zukunft einzulassen, ist letztlich eine soziale Frage, wie Bildungspsychologin Spiel erläutert: "Die Kinder höher gebildeter Eltern sind im Vorteil, weil die sich darum kümmern, dass ihre Kinder in hoch engagierte Schulen kommen. Damit tut sich eine Bildungsschere auf, von der wir alle Nachteile haben werden. Wir müssen schauen, dass möglichst alle die Chance haben, einen Beruf auszuüben, der sie persönlich befriedigt und ihnen zeigt, dass die Gesellschaft sie braucht."