Gewitter und Regen lassen die Meere steigen, Big Ben und Eiffelturm versinken. Die Migrantenfamilien, die sich aus der glühenden Wüste gerettet glauben, sitzen auf schaukelnden Flößen, müssen weiter fliehen. Ein Kind fällt ins Wasser, verschwindet. Eine düstere, dennoch faszinierende Show im Burgtheater beginnt.

Akram Khan erzählt in "Jungle Book reimagined" Mowglis Geschichte aus dem "Dschungelbuch", legt dabei jedoch den Fokus auf die Klimakatastrophe. Mowgli, wie das gerettete Findelkind genannt wird, ist in der neu erdachten Geschichte ein Mädchen. Sie landet im Dschungel der von den Menschen verlassenen Großstadt. Die Stadt gehört jetzt den Tieren. Ein einziger Zweibeiner schleicht noch mordlustig umher, fuchtelt mit dem Gewehr, will töten. Wären da nicht die aggressiven Affen, überzeugte das Geschehen: Tiere sind die besseren Menschen. Doch auch die Affen sind bedauernswerte Wesen. Wie die anderen Tiere sind sie verletzt, von den Menschen eingesperrt, gequält und missbraucht worden. Von respektlosen Zweibeinern haben sie genug. Die Affenhorde entführt Mowgli, sie soll ihnen das Feuer bringen. Balu und Co. müssen es verhindern, da die Affen nicht verantwortungsbewusst genug sind, um mit dem Feuer umzugehen.

Mit fantastisch animierten Bildern, auch die Vorgeschichte wird als Film erzählt, großartigen, energiegeladenen Tänzern und emotionaler Musik (Komposition: Jocelyn Pook) spielen Khan und sein geniales Team effektvoll auf dem Gefühlsklavier.

Die zehn Tänzerinnen und Tänzer stellen die Tiere dar, bewegen sich meist synchron als Gruppe, lässig und entspannt, wechseln zur Raserei mit Bocksprüngen. Mit der Geschwindigkeit ihrer Bewegungen, den harten Tritten und tiefen Kniebeugen erinnert die Gruppe auch an den Kathak, den indischen Tanz, den Khan in Europa bekannt machte. Sechs Tänzerinnen und Tänzer schlängeln sich als grünäugige Kaa über die Bühne. Beeindruckend sind die Animationen der Tierwelt. Lediglich weiße Linien zeigen ruhig ziehende Elefantenherden und huschende Mäuse, galoppierende Giraffen und Dromedare. Wenn Mowgli an die Mutter und ihre Belehrungen denkt, erscheint auch diese als geisterhafte Zeichnung.

Gedämpft wird die Begeisterung über die eindrucksvolle Show durch Khans Neigung, zu moralisieren und zu predigen, statt sich auf die Aussagekraft der magischen Einheit von Tanz, Bildern und Musik zu verlassen. Ein unaufhörlicher Textstrom (Autor: Tariq Jordan) lässt kaum Raum, um eigene Gedanken zu entwickeln.

Im zweiten Teil benutzt Kahn den breiten Pinsel, um dick aufzutragen. Der schießwütige Böse geistert durch den Kreuzgang, ein Vogel muss sterben und wird von seinen Artgenossen in den Himmel geflogen; Lehrsätze, Thesen und Zitate werden als Refrain wiederholt, die Musik greift ans Gemüt. Mowgli schnappt das Gewehr, macht es unbrauchbar, der Mensch ohne Waffe versinkt in den Wellen. Das Mädchen verlässt die Tiergemeinschaft, macht sich auf, um die Welt zu retten.