Ein großer Knäuel an Kleidungsstücken und Stoffen unterschiedlichster Texturen liegt in der Mitte der Bühne. Sieben Performer gehen einzeln in flottem Tempo auf den Berg zu, nehmen sich, was sie scheinbar benötigen, und bringen es auf die Seite. Und schon ist man in Chris Harings Universum der Farben und Stoffe eingetaucht, die im Lauf des Abends das eingespielte Liquid-Loft-Team (Luke Baio, Stephanie Cumming, Dong Uk Kim, Katharina Meves, Dante Murillo, Anna Maria Nowak, Hannah Timbrell) zu sich windenden Mischwesen, auch Chimären genannt, verwandelt. Und so nennt der heimische Choreograf Chris Haring sein jüngstes Werk, das am Wochenende im Rahmen des Impulstanz-Festivals im Wiener Odeon uraufgeführt wurde, "Modern Chimeras".

Tanz mit Stoffen. - © Chris Haring
Tanz mit Stoffen. - © Chris Haring

Ein komplett neues Konzept seiner Arbeitsweise darf man sich nicht erwarten. Vielmehr entwickelt Haring dieses weiter und passt es dem aktuellen Thema an. Dieses Mal verzichtet er aber auf seine typischen Livevideo-Projektionen, und auch die Lippensynchronisationsspiele setzt er sehr gemäßigt ein. Dafür gibt es Tanzsequenzen, sodass nicht nur die Bühnenästhetik dominiert. Die Kostüme sind aus vorigen Produktionen wiederzuerkennen: ein Beitrag zum Klimaschutz.

Haring kostet in dieser Produktion die verzerrten Körperbilder und die daraus entstehenden neuen Wesen aus, die die Fähigkeit besitzen zu täuschen, zu tarnen und optische Verwirrungen zu stiften - in perfekt einstudierten Abläufen. Die mythologischen Chimären werden nun in Tier-Print-Kostümmotiven und sich krümmenden, schlängelnden und windenden Bewegungen in die Gegenwart geholt. Manches davon scheint bereits in einer früheren Performance gesehen, manches ist aber erfreulich neu.