- © Christoph Liebentritt/ www.liebentritt.at
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Doris Uhlich ist eine Archäologin. Sie sucht aber nicht nach altertümlichen Schätzen der Menschheit, sondern nach biografischen Reichtümern, die im Fleisch jedes einzelnen Menschen stecken. In der aus Oberösterreich stammenden 38-jährigen Tanzschaffenden und Tänzerin schlägt heute ein unbeirrbares choreografisches Herz, das sie zur Erforscherin thematischer Grenzen macht, wie sie im Gespräch mit dem "Wiener Journal" verrät. So sucht sie etwa in der Gebrechlichkeit nach Stärke. Und sie huldigt ihrem Körper mit der von ihr ins Leben gerufenen "Fetttanztechnik" frei nach ihrem Motto: "Party your body!" –fern des heutigen Schönheitsideals. Und um Fett sichtbar tanzen zu lassen, zieht sich Uhlich aus. Nackt wirkt sie dennoch nicht, denn die Nacktheit ist ihr Kostüm. Im Interview erzählt die Performerin wie es dazu gekommen ist.

"Wiener Journal": Warum hat Sie gerade Tanz interessiert?

Doris Uhlich: Es war ein Zufall, denn in meiner Familie hat es keinen Bezug zu Tanz oder Kunst gegeben. Nur meine Oma hat Gitarre gespielt und gesungen. Im Jahr 1987 wurde zu Weihnachten die "Anna"-Serie im Fernsehen gezeigt. Es wurde mir klar, dass auch ich tanzen möchte wie Anna, und ich bin ins Kinderballett gegangen. Der nächste Auslöser war dann "Dirty Dancing" mit Patrick Swayze im Jahr 1988. Mein Tanzlehrer war damals mein Fernseher: Ich habe ständig Szenen im Wohnzimmer meiner Oma vorgetanzt. In einem Theater war ich bis dahin noch nie. Ich war schon als Kind gut befleischt, und ich hab‘ da schon öfters gehört: "Du mit deiner Figur willst tanzen?" Das hat mich aber nicht abgebracht.

Ziemlich böse Zungen.

Voll gemein. Es hat sich seither aber einiges verändert, was die Fragestellung des Körpers im Tanz betrifft.

Wo haben Sie Tanzen gelernt?

Zuerst eine Stunde pro Woche in Salzburg, dann zusätzlich einmal pro Woche in Linz. Ich wollte immer mehr machen, also Tanz war wie eine Sucht, eine Droge. Ich habe gewusst, ich brauche einfach diese Bewegung, Jazzdance, Ballett und Stepp, neben dem Matura-Stress. Ein bisschen zeitgenössisch auch noch. Mir war schnell klar, dass ich Tanzlehrerin werden wollte. Ich wollte gar nicht Tänzerin werden.

Kann das auch daran gelegen haben, dass Sie als Kind schon mit Ressentiments konfrontiert waren?