Wien. Im Oktober soll das neue iPhone 5 aus dem Hause Apple in den Handel kommen. Es besteht jedoch eine gar nicht so geringe Wahrscheinlichkeit, dass Europa, wenn überhaupt, erst einige Zeit später in den Genuss des Smartphones kommen wird. Der Grund dafür: Apple wird mit seinen eigenen Waffen bedroht. Der südkoreanische Hersteller Samsung will mit Klagen und einstweiligen Verfügungen den Verkauf des iPhone 5 verbieten lassen. Doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs im Kampf um Kunden und Verkaufszahlen, der derzeit in der Elektronikbranche geführt wird.

Die Liste der Unternehmen, die Apple in den letzten Jahren geklagt hat beziehungsweise gegen die Unterlassungsklagen eingebracht wurden, liest sich wie das Who-is-who der Elektronikbranche: Motorola, HTC, Google, Samsung und einige andere mehr. Immer ging es dem IT-Unternehmen dabei um angebliche Patentverletzungen oder um das unrechtmäßige Kopieren von Design oder Funktionen seiner beiden Vorzeigeprodukte - dem iPhone und dem Tablet iPad. Während sich in vielen Fällen, durchaus branchenüblich, die Unternehmen über entsprechende Lizenzzahlungen außergerichtlich einigen konnten, sah manchmal auch die Legislative keinen Grund für Beanstandungen oder etwaige rechtliche Konsequenzen.

Die Auseinandersetzung zwischen Samsung und Apple geht allerdings schon deutlich länger und nimmt mit jeder Woche an Heftigkeit und Intensität zu. Mittlerweile trafen sich die Kontrahenten auch schon vor einem deutschen Gericht.

Wer hat es erfunden?

Apple hatte mit einer einstweiligen Verfügung den Verkauf des iPad-Konkurrenten Samsung Galaxy Tab unterbunden. Dem Gericht wurden Fotos vorgelegt, die Gemeinsamkeiten im Design und der Benutzeroberfläche zeigen sollten. Kritik an Apple hagelte es, weil die Bilder bearbeitet wurden und so etwaige Größenunterschiede nicht zu erkennen waren. Nichtsdestotrotz entschied das Gericht zunächst für den US-Konzern. Samsung hatte seinerseits mit dem Filmklassiker "2001: Odyssee im Weltraum" argumentiert. Die Südkoreaner präsentierten im Ideenklau-Prozess in Kalifornien als Beweisstück ein Szenenfoto aus dem 1968 erschienenen Film, in dem die Crew des Raumschiffs mit flachen Computern ohne Tastatur zu sehen ist. Samsungs Argument lautete, das von Apple geschützte Tablet-Design sei schon einige Jahrzehnte alt und nicht deren Erfindung.

Für beide Technologiegiganten geht es in dem Streit um viel: Sie ringen um die Vorherrschaft bei Tablet-PCs und Smartphones, die zu den wichtigsten Wachstums-Produkten der gesamten Unterhaltungs- und Technologiebranche zählen. Vorwürfe bezüglich des unerlaubten Kopierens von Technologien und Design werden gegenseitig in den Ring geworfen. Dies ist auch der Grund, warum die beiden Unternehmen mittlerweile in neun Ländern wegen Verletzung von Markenrechten und Patenten in Rechtsstreitigkeiten verwickelt sind. Samsung darf in den Niederlanden einige Smartphone-Modelle nicht verkaufen, sein Galaxy Tab in Deutschland nicht vermarkten und musste zudem in Australien den Marktstart von Tablet-Computern abblasen. Apples Angriffe richten sich dezitiert gegen das freie Betriebssystem Android, dessen Entwickler Google wohl auch bald entsprechende Hardware produzieren wird.

Samsung steckt nicht zurück und will Apple mit seinen eigenen Waffen schlagen: Der Start des lang erwarteten iPhone 5 - geplant war Oktober - soll mittels einstweiliger Verfügung gestoppt und das Smartphone gerichtlich verboten werden. Sollte Samsung Erfolg haben, wird das iPhone 5 in Europa nicht in den Handel kommen. Man darf auf die Antwort Apples schon gespannt sein. Und der nächste Konflikt zeichnet sich auch schon ab - Samsung hat mit Microsoft eine Allianz gegen Apple in Planung.