Cupertino/London. Mit dem neuen iPhone 4S wird man im Cafe kaum neugierige Blicke auf sich ziehen. Das neue Smartphone von Apple unterscheidet sich äußerlich kaum vom populären Vorgänger-Modell iPhone 4. Apple-Fans warteten am Dienstag vergeblich auf ein radikal neugestaltetes iPhone 5. Der neue Apple-Chef Tim Cook hatte in seinem ersten großen Auftritt nach dem Rückzug des erkrankten Apple-Gründers Steve Jobs kein "one more thing" zu bieten, mit dem sein Vorgänger die Apple-Gemeinde so oft in Verzückung versetzt hatte. Zwischen den enttäuschten Facebook-Einträgen und Tweets der Fans gingen allerdings auch wichtige Neuerungen unter, die Apple mit diesem großen Update auf den Markt bringt.

Auch die Börse reagierte zunächst enttäuscht. Kurz bevor Tim Cook die Bühne betrat, stand die Apple-Aktie noch bei 380 Dollar (288 Euro). Danach setzte eine stete Talfahrt ein. Als der "persönliche Assistent" Siri demonstriert wurde, der gesprochene Befehle wie "Wecke mich um 6.00 Uhr versteht", zuckte der Kurs noch kurz nach oben. Doch das Fehlen eines iPhone 5 war einfach zuviel. Die Aktie rutschte unter 360 Dollar, pendelte sich dann bei 372,50 Dollar ein. Binnen Stunden gingen Milliarden an Börsenwert flöten. Allerdings schwankt die Aktie eh immer stark und die Aktionäre können sich nicht beschweren: In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Kurs verfünffacht.


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Die kommenden Konkurrenten des iPhone 4S
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Nicht die Art von Apple
Das gleiche Telefon mit einer 5 im Namen und einem veränderten Gehäuse hätte wahrscheinlich einen anderen Effekt gehabt. "Gemessen daran, was sich im Inneren verändert hat, hätten sie es auch iPhone 5 nennen können, aber das wäre nicht die Art von Apple", brachte es Gartner-Analyst Michael Gartenberg auf den Punkt. Auch beim iPhone 3G hängte der Konzern zunächst ein "S" dran, bevor mit dem iPhone 4 eine komplett neue Generation kam.

Das neue iPhone hat jetzt einen deutlich schnelleren Chip und eine bessere Grafik. Das ist wichtig für die iPhone-Besitzer, die das Smartphone als eine mobile Spiele-Konsole verwenden. Die neue 8-Megapixel-Kamera wird noch mehr einfache Fotoapparate in der Schublade altern lassen. Schon heute ist das iPhone auf großen Foto-Portalen wie Flickr das populärste Kamera-Modell. Apple verpasst dem iPhone nun auch eine neue Antennentechnik - nachdem sich manche Nutzer über Empfangsprobleme beim iPhone 4 beschwert hatten. Für den Erfolg von Apple in den USA ist sehr wichtig, dass das iPhone 4S als "Weltphone" nun auch den CDMA-Standard beherrscht, mit dem beispielsweise die Mobilfunkprovider Verizon Wireless und Sprint arbeiten.

Clevere Geschäftspolitik
Mit dieser Serie von Verbesserungen will sich Apple im harten Wettbewerb im Smartphone-Markt behaupten. In entwickelten Märkten wie Westeuropa oder den USA ist bereits mehr als jedes zweite verkaufte Mobiltelefon ein Smartphone - und immer mehr Geräte laufen mit dem Google-Betriebssystem Android. Getragen von Telefonen verschiedener Hersteller schoss Android innerhalb von nur gut einem Jahr an die Spitze der Smartphone-Industrie. Allerdings landet bei Apple dank der cleveren Geschäftspolitik immer noch der Großteil der Branchengewinne.

Apple kann aber auch auf eine treue Kundschaft zählen. Dafür sorgt allein schon die von Apple etablierte App-Ökonomie: Die 18 Milliarden im App Store geladenen Programme sind mit ein Garant dafür, dass die Nutzer nicht so leicht zur Konkurrenz wechseln.

Siri und neue Hardware
Jetzt setzt Apple lieber auf ein verbessertes Erlebnis mit dem iPhone statt auf neue coole Hardware. Siri, der intelligente Assistent, der menschliche Sprache versteht, soll das Verhältnis zwischen Menschen und Maschine verändern. Zudem kann der Dienst in vielen Situationen Google ersetzen. Der Online-Speicherdienst iCloud soll das manuelle Synchronisieren von Daten vergessen lassen. Apple integriert auch Twitter und eine Funktion, mit der man den Aufenthaltsort seiner Freunde sehen kann.

Für Neueinsteiger in den Smartphone-Markt und Besitzer eines älteren iPhones wird das neue Modell nach dem Kalkül von Apple ohnehin attraktiv genug sein. Besitzer eines iPhone 4 müssen dagegen noch warten, bis Apple nicht nur mit wichtigen Detailverbesserungen locken kann, sondern mit einem komplett überarbeiteten Design, das dann auch wieder die Aufmerksamkeit der Umgebung auf sich zieht.

Ist das nun wirklich Alles, Apple?
Apple scheint dennoch einfach von den hohen Erwartungen und dem Druck des immer innovativen in die Knie gegangen zu sein. Die Gerüchteküche brodelte schon Wochen vor der Präsentation am Dienstag Abend. Etwas Großartiges wurde erwartet. Etwas Eindrucksvolles. Eine "eierlegende Wollmilchsau" - und dann kam nur ein iPhone 4S. Ein Sprachassistent - eine grandioses Gadget für den urbanen U-Bahn-Nomaden - anstelle lauter und lästiger Telefonate mit Menschen wird man eben in Zukunft mit seinem Handy kommunizieren. Wahrlich eine Innovation die nett ist, aber auch nicht mehr.

Die nächste Präsentation muss schon deutlich besser sein und einiges Mehr bieten, denn sonst kann die Konkurrenz schneller aufholen, als die Analysten und Experten dies erwartet hätten. Die wahren Gewinner dürften die Mitbewerber sein. Samsung, HTC, Google und Nokia/Microsoft haben nun Zeit ihre Hardware aufzurüsten. Viele Kunden, die bereits ein iPhone 4 haben, werden jetzt nicht umsteigen und könnten mit einem guten Produkt zu einem Plattformwechsel gebracht werden.

Preis kein Kriterium
Im Vorfeld war schon von einem billigeren iPhone berichtet worden, dass Apple präsentieren will. Nun ja, die Realität brachte ein 99 Dollar iPhone 4 und ein "kostenloses" iPhone 3GS - wenn, ja wenn man einen 24-Monate-Knebelvertrag bei Sprint abschließt. Das iPhone 4S soll 199 (16 GB), 299 (32 GB) und 399 (64 GB) kosten. Ebenfalls mit Vertrag. Nun denn - in Österreich gibt es diese Preisstruktur schon seit geraumer Zeit. Die Preise werden sich daher nicht als echter Knackpunkt erweisen. Auch die Mobilfunkprovider sidn nun gefordert. Wie sollen sie den Kunden das neue Smartphone schmackhaft machen - eine interessante Frage. Die Antwort wird Ende Oktober präsentiert werden.