Clevere Geschäftspolitik
Mit dieser Serie von Verbesserungen will sich Apple im harten Wettbewerb im Smartphone-Markt behaupten. In entwickelten Märkten wie Westeuropa oder den USA ist bereits mehr als jedes zweite verkaufte Mobiltelefon ein Smartphone - und immer mehr Geräte laufen mit dem Google-Betriebssystem Android. Getragen von Telefonen verschiedener Hersteller schoss Android innerhalb von nur gut einem Jahr an die Spitze der Smartphone-Industrie. Allerdings landet bei Apple dank der cleveren Geschäftspolitik immer noch der Großteil der Branchengewinne.

Apple kann aber auch auf eine treue Kundschaft zählen. Dafür sorgt allein schon die von Apple etablierte App-Ökonomie: Die 18 Milliarden im App Store geladenen Programme sind mit ein Garant dafür, dass die Nutzer nicht so leicht zur Konkurrenz wechseln.

Siri und neue Hardware
Jetzt setzt Apple lieber auf ein verbessertes Erlebnis mit dem iPhone statt auf neue coole Hardware. Siri, der intelligente Assistent, der menschliche Sprache versteht, soll das Verhältnis zwischen Menschen und Maschine verändern. Zudem kann der Dienst in vielen Situationen Google ersetzen. Der Online-Speicherdienst iCloud soll das manuelle Synchronisieren von Daten vergessen lassen. Apple integriert auch Twitter und eine Funktion, mit der man den Aufenthaltsort seiner Freunde sehen kann.

Für Neueinsteiger in den Smartphone-Markt und Besitzer eines älteren iPhones wird das neue Modell nach dem Kalkül von Apple ohnehin attraktiv genug sein. Besitzer eines iPhone 4 müssen dagegen noch warten, bis Apple nicht nur mit wichtigen Detailverbesserungen locken kann, sondern mit einem komplett überarbeiteten Design, das dann auch wieder die Aufmerksamkeit der Umgebung auf sich zieht.

Ist das nun wirklich Alles, Apple?
Apple scheint dennoch einfach von den hohen Erwartungen und dem Druck des immer innovativen in die Knie gegangen zu sein. Die Gerüchteküche brodelte schon Wochen vor der Präsentation am Dienstag Abend. Etwas Großartiges wurde erwartet. Etwas Eindrucksvolles. Eine "eierlegende Wollmilchsau" - und dann kam nur ein iPhone 4S. Ein Sprachassistent - eine grandioses Gadget für den urbanen U-Bahn-Nomaden - anstelle lauter und lästiger Telefonate mit Menschen wird man eben in Zukunft mit seinem Handy kommunizieren. Wahrlich eine Innovation die nett ist, aber auch nicht mehr.

Die nächste Präsentation muss schon deutlich besser sein und einiges Mehr bieten, denn sonst kann die Konkurrenz schneller aufholen, als die Analysten und Experten dies erwartet hätten. Die wahren Gewinner dürften die Mitbewerber sein. Samsung, HTC, Google und Nokia/Microsoft haben nun Zeit ihre Hardware aufzurüsten. Viele Kunden, die bereits ein iPhone 4 haben, werden jetzt nicht umsteigen und könnten mit einem guten Produkt zu einem Plattformwechsel gebracht werden.

Preis kein Kriterium
Im Vorfeld war schon von einem billigeren iPhone berichtet worden, dass Apple präsentieren will. Nun ja, die Realität brachte ein 99 Dollar iPhone 4 und ein "kostenloses" iPhone 3GS - wenn, ja wenn man einen 24-Monate-Knebelvertrag bei Sprint abschließt. Das iPhone 4S soll 199 (16 GB), 299 (32 GB) und 399 (64 GB) kosten. Ebenfalls mit Vertrag. Nun denn - in Österreich gibt es diese Preisstruktur schon seit geraumer Zeit. Die Preise werden sich daher nicht als echter Knackpunkt erweisen. Auch die Mobilfunkprovider sidn nun gefordert. Wie sollen sie den Kunden das neue Smartphone schmackhaft machen - eine interessante Frage. Die Antwort wird Ende Oktober präsentiert werden.