Zugleich machte die N-VA die sozialistisch regierte Hauptstadt für die Lage verantwortlich. Für die Linke wiederum ist die Asylpolitik der N-VA Schuld, die trotz großen Andrangs beschloss, täglich nur noch 50 bis 60 Fälle zu bearbeiten. In der Kampagne zu den Kommunalwahlen im Herbst waren die Transitmigranten von Brüssel-Nord ein zentrales Thema. Danach wurde es vorerst ruhig. Jetzt aber, da die Regierung am Widerstand der N-VA gegen den UN-Migrationspakt zerbrochen ist, steht eine Rückkehr auf die Wahlkampf-Agenda bevor.

Insgesamt, sagt Mehdi Kassou, befinden sich etwa 1000 Transitmigranten in Belgien. Die meisten in Brüssel, andere halten sich an der Küste auf. Nach der Räumung des Jungle in Calais 2016 ist das Land auch für Schmuggel-Netzwerke immer wichtiger geworden. Was Letztere angeht, sei am Nordbahnhof nichts zu holen, so Kassou. "2015 und 2016 gab es Syrer oder Iraker hier, die noch Geld hatten. Wer heute hier ist, macht sich selbst zum Parkplatz auf."

Nach Einbruch der Dunkelheit wird es betriebsam in Brüssel-Nord. Pendler eilen durch die Hallen zum Gleis. Aus den Ecken und von den Scheiben kommen Migranten mit einem kleinen Rucksack, manche gehen zum Schalter und kaufen sich ein Ticket. Um kurz vor 21 Uhr kommt eine Gruppe Eritreer die Treppe zu Gleis 5 heraufgesprintet. Der Zug Richtung Löwen, östlich von Brüssel, steht bereit. So gerade noch gelingt es ihnen, an Bord zu springen. Irgendwo werden sie aussteigen und sich auf den Weg zum Rastplatz machen.