Der Bürgermeister der Stadt, David Buskila, der das Amt seit fünf Jahren ausübt, gab sich damals ähnlich nachdenklich: "Ich denke nicht nur an meine eigenen Kinder, sondern auch an die Kinder auf der anderen Seite", sagte er im Frühling 2013. Ich mache nicht die Menschen auf beiden Seiten für die Situation verantwortlich, sondern die politischen Führer", sagte uns damals Buskila. Und Buskila bemühte sich Jahre zuvor unter Vermittlung von Schweizer Diplomaten um ein Treffen mit dem Bürgermeister von Gaza, das aber nie zustande kam. "Wenn man hier hundertprozentige Ruhe haben will, dann kann man diese Ruhe nicht mit Waffengewalt erreichen, sondern die Politiker müssen sich an einen Tisch setzen und reden."

Und zum Zeitpunkt dieses Gesprächs war es vergleichsweise ruhig, nun regnet es Raketen auf Sderot und die Lage in Gaza ist völlig verzweifelt.

Aber wie kann man reden, wenn es längst kein Vertrauen, längst keine Gesprächsbasis mehr gibt zwischen beiden Seiten? Und wie kann man reden, wenn die Hamas das Existenzrecht Israels nicht anerkennt und der israelische Premier Benjamin Netanjahu alles unternimmt, um den Friedensprozess zu behindern. Denn erst vor drei Monaten scheiterte John Kerry mit seiner Vermittlungsmission und schob die Schuld hauptsächlich der israelischen Seite zu. Und als Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas als Reaktion auf das Scheitern der Gespräche eine Einheitsregierung mit der Hamas bildete, war ein Scheitern dieser Allianz eines der wichtigsten Ziele von Netanjahu. Zu dieser Zeit wurde eine Chance vertan: Die Hamas hatte es sich mit ihrer Unterstützung der Gegner von Bashar al-Assad nicht nur mit ihrem Sponsor Syrien verscherzt, sondern nach dem Sturz des Muslimbruders Mohammed Mursi in Kairo zog Ägypten die schützende Hand weg. Die Allianz mit dem ehemaligen Erzfeind Fatah von Mahmoud Abbas wäre eine Chance gewesen, die Hamas auf einen Verhandlungskurs einzuschwören.

Ein Offizier rattert eine Litanei an Gewalttaten herunter

Die EIPA-Pressetour führte uns dann mit einem Offizier der israelischen Armee auf einen Hügel im Westjordanland. Dort rattert er eine ganze Litanei an Angriffen durch palästinensische Militante herunter: "2001 ein Streit, gleich dort drüben, da wurde ein Israeli von einem Arabischen Bauern erstochen. Dann ein Angriff auf drei Schüler ein paar Jahre später, genau, dort unten im Tal, dann ein Anschlag auf einen Israeli gleich bei meinem Außenposten, genau, dort hinten. Und schließlich das Massaker im Dorf Ita Mar, wo im Jahr 2011 die Familie Fogel massakriert wurde." All diese Gewalttaten passierten an Orten, die man von diesem Hügel überblicken kann. Der Offizier spricht von Sicherheit, die der Grenzzaun gebracht habe und von Sicherheit, die die vielen Außenposten bringen sollen.

Doch auch der IDF-Offizier muss wissen - weiß -, dass es ohne eine politische Lösung keinen Frieden geben kann. Denn als in einer Siedlung im nördlichen Westjordanland, tief in einem Gebiet, in dem Palästinenser leben, einer der Gesprächspartner vom Versprechen des Gelobten Landes Judäa und Samaria spricht, dann erkennt man die schiere Unlösbarkeit des Problems. Wie können Menschen auf Land verzichten, das Gott versprochen hat, hört man dort.

Nun nach beinahe 20 Tagen Krieg in Gaza droht eine dritte Intifada. Eine Aussicht auf Frieden gibt es ebensowenig wie im Jahr 2002, bei meinem ersten Besuch im Westjordanland.