1993 kam es zum symbolträchtigen Handschlag zwischen Israels Premier Yitzhak Rabin (l.o.) und PLO-Chef Yassir Arafat (r.o.). US-Präsident Bill Clinton assistierte. Die Chancen, dass Benjamin Netanyahu (l.u.) und Mahmoud Abbas (r.u.) unter einer künftigen US-Staatschefin Hillary Clinton (Aufnahme aus 2010, als sie Außenministerin war) einen Friedensvertrag unterzeichnen, stehen indes schlecht. - © reuters/Hershorn, Young
1993 kam es zum symbolträchtigen Handschlag zwischen Israels Premier Yitzhak Rabin (l.o.) und PLO-Chef Yassir Arafat (r.o.). US-Präsident Bill Clinton assistierte. Die Chancen, dass Benjamin Netanyahu (l.u.) und Mahmoud Abbas (r.u.) unter einer künftigen US-Staatschefin Hillary Clinton (Aufnahme aus 2010, als sie Außenministerin war) einen Friedensvertrag unterzeichnen, stehen indes schlecht. - © reuters/Hershorn, Young

Tel Aviv. "Rache? Natürlich habe ich Rachegefühle", meinte General Atif Hilles vor einem Monat im Hauptquartier der Palästinensischen Sicherheitskräfte in Ramallah. Im August 2008 tötete die Hamas 13 seiner Familienmitglieder, woraufhin er mit 130 anderen über Israel ins Westjordanland flüchtete. Trotzdem habe er auf "Versöhnung" mit der Hamas gehofft, die zu dieser Zeit nach der Bildung einer Übergangsregierung so greifbar wie nie schien.

Vier Tage später werden drei junge Israelis entführt und letztendlich tot aufgefunden. Aus der Suchaktion wird die größte israelische Militäroperation gegen die Hamas seit der zweiten Intifada vor mehr als zehn Jahren. General Hilles und die Sicherheitskräfte der Palästinensischen Autonomiebehörde kooperierten dabei. Nachdem Präsident Mahmoud Abbas von vielen jungen Palästinensern "Verräter" geschimpft wird, rechtfertigt er die Zusammenarbeit mit Israel mit den Worten: "Wir wollen nicht zu Chaos und Zerstörung zurückkehren."

Und doch scheint genau das passiert zu sein. Nach wütenden Racheprotesten rechter Israelis wurde eine weitere Leiche geborgen, ein 16-jähriger Palästinenser aus Ostjerusalem, der in der Nacht auf Mittwoch verschleppt wurde und offenbar einem israelischen Rachemord zum Opfer fiel. Die palästinensische Jugend in Ostjerusalem kochte vor Wut; es kam zu Ausschreitungen, die mit dem Begräbnis des 16-jährigen "Märtyrers" Freitagnachmittag ihren traurigen Höhepunkt erreichten. Mindestens 18 Palästinenser wurden dabei verletzt. Unterdessen "rächt" die Hamas im Gazastreifen den Märtyrer mit Raketenfeuer auf Südisrael, während die israelische Armee den Landstrich aus der Luft angreift und Truppen für eine mögliche Großoperation mobilisiert.

Zurück an den Start

Während die Region abermals unter Hochspannung steht, dreht sich alles um eine Frage: Wird die Gewalt weiter eskalieren? Es ist eine Frage, die sich in regelmäßigen Abständen wiederholt. Doch der Fokus auf die drohende Gewaltexplosion überschattet eine andere Realität, die sich in den jüngsten Entwicklungen besonders deutlich zeigt: die langsame Implosion unter der Oberfläche. Denn mit jeder weiteren Eskalation des Konflikts bricht die Basis für seine Lösung weiter ein, indem sich die Bruchlinien verschärfen und man nach bescheidenen Errungenschaften wieder am Ausgangspunkt angelangt ist.