Chefredakteur Reinhard Göweil.
Chefredakteur Reinhard Göweil.

Europa hat ein gewisses Faible für die Palästinenser. Israel wird als Unterdrücker gesehen, der dem palästinensischen Volk die Selbstbestimmung verweigert. Die EU hat sogar auf die jüngsten Ereignisse mit einer an beide Seiten adressierten Botschaft reagiert, die Gewalt zu beenden.

Nun gibt es eine Menge richtiger Kritikpunkte an Israel. Die Idee etwa, in eine Verfassung hineinzuschreiben, es sei ein jüdischer Staat. Gott in eine Verfassung zu schreiben, ist nie eine gute Idee. Religiöse Fundamentalisten sollten am besten keinen Einfluss auf die Politik haben, auch in Israel nicht.

Davon unabhängig ist allerdings das Selbstverteidigungsrecht eines Staates zu sehen. Und die aktuelle Krise wurde ganz eindeutig von extrem radikalen palästinensischen Kräften in Gang gesetzt. Drei Jugendliche zu ermorden, das hat mit Widerstand nichts zu tun, das ist bloß barbarisch. Und recht ziellos Raketen auf Städte abzufeuern, egal wen es dort trifft, ist nicht Krieg, sondern Terrorismus.

Israels harsche Gegenwehr sollte also in Europa weniger beunruhigen als das politische Kalkül der radikalen Palästinenser. Denn dieses Kalkül ist perfid. Die zu erwartende Reaktion der (recht schlagkräftigen) israelischen Luftwaffe im Gaza-Streifen hat bis Mittwoch 44 Menschen getötet. Die im Gaza-Streifen operierende Hamas, die Syrien und Ägypten als Verbündete verloren hat, will Mitleid erzeugen. Vor allem der ägyptische Präsident al-Sisi, der die Grenze zu Gaza dichtmachte, soll zum Umdenken bewegt werden. Ein paar tote Landsleute sind der Preis.

Ja, der Racheakt israelischer Fundis, die ihrerseits einen palästinensischen Jugendlichen umbrachten, ist ekelhaft. Doch das politische Spiel von islamistischen Kräften ist es auch und mehr noch - es ist brandgefährlich.

Israel zum Krieg zu provozieren, würde den Nahen Osten - neben dem (derzeit kaum beachteten) Bürgerkrieg in Syrien und der Selbstzerfleischung des Irak - in eine nicht mehr zu beherrschende Gewaltspirale treiben.

Davon profitieren würden nur Gruppen wie Isis, deren Geschäftsmodell das Blutbad ist. Europa sollte sich also in der jetzigen Situation klar auf die Seite Israels stellen. Und die Beziehungen zu den Palästinenser-Organisationen nutzen, um die dortige Vernunft zum Leben zu erwecken - und künftigen Export von Terror zu unterbinden.