Zvi Heifetz, geboren 1956 im sibirischen Tomsk, ist seit November 2013 israelischer Botschafter in Wien. - © Thomas Seifert
Zvi Heifetz, geboren 1956 im sibirischen Tomsk, ist seit November 2013 israelischer Botschafter in Wien. - © Thomas Seifert

"Wiener Zeitung": Das Problem von Journalisten ist, dass wir beide Seiten in Konflikten verstehen wollen. Die Handlungen der israelischen Regierung, der Wunsch, die Bevölkerung zu schützen: verständlich. Der Frust und die Wut eines jungen Palästinensers, der in Gaza ohne Zukunft lebt: ebenso verständlich. Gibt es eine Chance, dass das alles eines Tages einfach aufhört?

Zvi Heifetz: Lassen Sie uns zwei Schritte zurück machen. Am Wochenende brachte die "Wiener Zeitung" eine Doppelseite über die aktuelle Krise, in der Headline stand, dass es sich um einen asymmetrischen Konflikt handelt. Was meinten Sie mit asymmetrisch? Wenn es einen Mörder in Ihrer Nachbarschaft gibt, schickt die Wiener Polizei dann nur einen Polizisten mit einer Waffe, um fair gegenüber den Kriminellen zu sein? Ist es unfair, alle verfügbaren Polizeikräfte hinzuschicken? Das Szenario ist doch das übliche - sie (die Hamas, Anm.) fangen zu schießen an, wir antworten, sie schießen mehr, wir schießen mehr - dann gibt es tote Zivilisten, denn um offen zu sein - ihnen (der Hamas, Anm.) sind zivile Opfer egal, sie benutzen sie, brauchen die Fotos, weil sie ihnen helfen, ihr Ziel zu erreichen . . .

. . . und kümmern Sie zivile Opfer?

. . . und kümmern Sie zivile Opfer?
Sehr. Lassen Sie mich Ihnen das Muster zu erklären, nach dem unsere Gesellschaft gestrickt ist. Die jungen Soldaten, die jetzt nach Gaza gehen (in der israelischen Bodenoffensive, Anm.), das sind meine Kinder und die Kinder meiner Freunde. Es sind die Typen, die eigentlich gerne in Nachtklubs gehen würden oder lieber stundenlang im Internet herumhängen. Die sind doch nicht über Nacht zu völlig verrückten Mördern geworden, die nach Gaza gehen, um dort auf Zivilisten zu schießen!

Israel ist eine starke, demokratische Gesellschaft. Das Letzte, was ich und meine Kinder sehen wollen, sind Mütter in Gaza, die ihre toten Kinder im Arm halten. Es wäre alles sehr einfach: Die Hamas soll dem Waffenstillstand zustimmen. Die jetzige Krise wurde (von der Hamas, Anm.) unprovoziert begonnen, es begann mit der Tötung der drei (israelischen, Anm.) Schüler. Dieser Tatsache können wir nicht entkommen und einfach beide Seiten beschuldigen und es einen "Kreislauf der Gewalt" nennen. Man soll Verantwortung für seine Taten übernehmen. Aber gut, wenn man Fehler gemacht hat – und einem ein Waffenstillstand vorgeschlagen wird, dann wäre doch das erste, was man tun sollte, zuzustimmen! Aber es ist verrückt. Wie können sie ablehnen?