In Hongkong versteckt: Ex-NSA-Mann Snowden. - © ap
In Hongkong versteckt: Ex-NSA-Mann Snowden. - © ap

Washington/Peking. (schmoe) Eben war Edward Snowden noch Gast des Mira Hotels im Hongkonger Stadtviertel Tsim Sha Tsui - dann fehlte von dem NSA-Aufdecker plötzlich jede Spur. Seit Montag ist der genaue Aufenthaltsort des US-Amerikaners, der vor drei Wochen fluchtartig aus Hawaii verschwunden ist, unbekannt. Es ist anzunehmen, dass er sich irgendwo in der chinesischen Sonderverwaltungszone mit über sieben Millionen Einwohnern aufhält, etwa bei einem Mitglied seiner wachsenden Fangemeinde. Ob der Untergetauchte Kontakt zu seinen Eltern und seiner Schwester hält, ist nicht bekannt. Die Familie des 29-Jährigen reagiert nicht auf Anfragen, auch die 28 Jahre alte Freundin des Gesuchten sagt nichts.

Vor Auslieferung geschützt

Der Ex-Geheimdienstler - der von Nachbarn als ruhig und schüchtern beschrieben wird - hat den Medien tausende Dokumente übergeben aus denen hervorgeht, dass Datenschutz für die US-Regierung ein Fremdwort ist. Washington will jetzt des IT-Spezialisten unbedingt habhaft werden, an einer Anklage wird bereits gearbeitet. Für viele Amerikaner ist der Mann, der laut Zeugen in seiner Heimat Maryland stets mit gesenktem Kopf herumgelaufen ist, einer der größten Verräter der US-Geschichte.

Vorläufig ist der Ex-Geheimdienstler in Hongkong vor Verfolgung durch die US-Behörden sicher. Laut Rechtsexperten ist er durch das dortige Justizsystem vor einer schnellen Auslieferung an die USA geschützt. Ein Verfahren könnte Monate dauern, die autonom regierte Mega-City hat - anders als China - zwar ein Auslieferungsabkommen mit Washington, doch könnte sich Snowden unter Hinweis auf politische Verfolgung dagegen wehren und drei Berufungsinstanzen durchlaufen. Eine Auslieferung könnte auch durch die chinesische Regierung verhindert werden, falls Peking seine nationalen Interessen beeinträchtigt sehen sollte.

Top-Thema: Snowden bereitet Obama Kopfschmerzen. - © reuters
Top-Thema: Snowden bereitet Obama Kopfschmerzen. - © reuters

Ein führender russischer Außenpolitiker sprach sich ebenfalls für politisches Asyl für Snowden aus: "Mit dem Kontrollieren von Telefongesprächen und des Internets verletzen die US-Geheimdienste die Landesgesetze", so der Chef des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma, Alexej Puschkow. "In diesem Sinne ist Snowden ein Bürgerrechtler, dem Russland Zuflucht gewähren sollte - auch wenn die USA einen hysterischen Anfall bekämen." Dmitri Peskow, der Sprecher von Präsident Putin, äußerte sich zurückhaltender: "Sollte Snowden Russland um Asyl bitten, werden die Behörden seinen Antrag prüfen."

Noch hat Washington keinen Auslieferungsantrag gestellt. Sollte es dazu kommen, dann stehen die Chancen nicht schlecht, dass Snowden mit einer relativ milden Strafe davonkommt. Das zeigt der Ausgang von Verfahren gegen andere Geheimnisverräter, von denen letztlich keiner zu mehr als gut zwei Jahren Haft verurteilt wurde.

Petition für Straffreiheit

Unterstützung bekommt Snowden vom ehemaligen US-Kongressabgeordneten Ron Paul, der sich im vergangenen Jahr vergeblich um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner bemüht hatte. "Wir sollten Individuen wie Edward Snowden dankbar sein", so Paul. "Die US-Regierung muss nicht mehr darüber wissen, was wir tun. Wir müssen mehr darüber wissen, was die Regierung tut."

Ähnlich sehen das viele Amerikaner, die jetzt ebenfalls eine zu große Überwachung durch Uncle Sam befürchten. Unmittelbar nachdem Snowden sich der Öffentlichkeit gestellt hatte, wurden mehrere Solidaritätsaktionen im Internet gestartet. Dazu zählt auch ein Antrag auf Straffreiheit, eingestellt auf der Petitionsseite der Regierung. Bis Dienstag kamen dort mehr als 40.000 Unterzeichner zusammen, ab 100.000 muss sich die Regierung damit befassen. Und auf CNN äußert sich die Kolumnistin Frida Ghitis unter dem Titel "Your biggest secrets are up for grabs" kritisch. Tenor: Niemand kann sich jetzt mehr unbeobachtet fühlen.