Washington/Wien. (wak) "Booz Allen kann bestätigen, dass Edward Snowden, 29, für weniger als drei Monate ein Angestellter unserer Firma war, zugeteilt einem Team auf Hawaii. Snowden, der ein Jahresgehalt von 122.000 US-Dollar hatte, wurde am 10. Juni 2013 entlassen aufgrund von Verletzungen des ethischen Codes der Firma und der Firmenpolitik."

Hinter diesen Worten verschanzt sich der frühere Arbeitgeber von Edward Snowden. Anfragen der "Wiener Zeitung", wie viele Kunden ihrerseits Booz Allen Hamilton in der Zwischenzeit den Vertrag aufgekündigt haben beziehungsweise wie groß der europäische Kundenstock war, "können nicht behandelt werden", heißt es seitens des Media-Teams von Booz Allen - mit dem Verweis auf ihre Website.

Für das börsennotierte Unternehmen Booz Allen ist das Mauern gegenüber der Presse in diesem Ausmaß ungewohnt. Die Beratungsfirma hat etwa mit dem renommierten Magazin "The Economist" zusammengearbeitet, um einen Cyber Hub zu kreieren.

Abgesehen von dem Spionage-Programm, das sie für ihren besten Kunden, die National Security Agency (NSA), entworfen haben, rühmt sich das Unternehmen in ihrem Jahresbericht 2012, "Informationen sicher zu halten" und etwa die Krankengeschichten von US-Veteranen gegen Cyber-Attacken abzuschirmen. Der Schutz wäre notwendig gewesen, nachdem zwei Laptops und eine externe Festplatte aus dem Department für Veteranen verschwunden waren. Peanuts angesichts der Tatsache, dass das Unternehmen Booz Allen für die US-Regierung aus offenbar jedem Erdwinkel zusammengesaugt hatte. Oder, wie Booz Allen es auf der Homepage formuliert:

"Die Medienberichte, dass dieses Individuum (Snowden, Anm.) behauptet, klassifizierte Informationen geleakt zu haben, sind schockierend. Falls sie der Wahrheit entsprechen, würde das Verhalten eine schwere Verletzung unseres Code of Conducts und der Grundwerte unserer Firma. Wir werden eng mit unseren Klienten und Behörden bei ihrer Untersuchung zusammenarbeiten."

Dass Booz Allen Hamilton mit den Behörden eng zusammenarbeiten wird, ist für die Beobachter nicht verwunderlich: Booz Allen Hamilton ist durch US-Regierungsaufträge groß geworden. 99 Prozent des Umsatzes kommen vom Staat. Die Firma wuchs vor allem seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. "Heute arbeiten wir für alle wichtigen Behörden der US-Regierung", erklärte die Firma stolz. Zu den größten Auftraggebern gehören das Verteidigungsministerium und die Streitkräfte sowie die Geheimdienste. Im vergangenen Jahr nahm die Firma 5,8 Milliarden Dollar (4,37 Milliarden Euro) ein. Aufträge in doppelter Höhe stehen in den Büchern.