Die USA fahnden nach Snowden, der in Ecuador Asyl beantragt hat, wegen Verrats. Ecuadors Präsident Rafael Correa sagte am Samstag, US-Vizepräsident Joe Biden hätte ihn in einem freundlichen Telefonat darum gebeten, Snowden kein Asyl zu gewähren. Correa sagte Biden seinen Angaben zufolge zu, die Ansichten der US-Regierung bei der Abschätzung des Falls zu respektieren. Ecuador könne aber erst über den Antrag befinden, wenn sich Snowden entweder in dem Anden-Staat selbst oder in einer der Botschaften Ecuadors aufhalte. Zugleich kündigte Correa an, jenen ecuadorianischen Diplomaten sanktionieren zu wollen, der Snowden sicheres Geleit zugesichert und ihm damit die Ausreise aus Hongkong ermöglicht hatte.

Snowden ist derzeit im Transitbereich des Moskauer Flughafens, wo er auf seine Weiterreise wartet. Einem Bericht des russischen Staatssenders Rossija 24 zufolge verhandeln Moskau und Quito über den Fall Snowden, wobei sich der ecuadorianische Außenminister Ricardo Patino persönlich in die Gespräche eingeschaltet habe.

Einer der Kontaktleute Snowdens, der britische Journalist Ewen Mac Askill, sagte dem "Kurier" (Sonntagsausgabe), dass der US-Computerspezialist bereits im Jahr 2008 geheime Daten an die Öffentlichkeit bringen wollte. "Er hielt sich zurück, weil er glaube, dass Obama (Barack Obama wurde im Jahr 2008 zum US-Präsidenten gewählt, Anm.) tatsächlich den Wandel bringen würde". Snowden habe mit seinen Enthüllungen eine Debatte über die Freiheit im Internet auslösen wollen und sei sich der Konsequenzen für sich selbst bewusst gewesen. "Es war ihm klar, dass das Gefängnis auf ihn wartete, und er schien sich damit abgefunden zu haben", berichtete Mac Askill von den Gesprächen mit Snowden in einem Hongkonger Hotel. Der 30-Jährige hatte seine Geheimnisse dort drei britischen Reportern anvertraut, die daraufhin an die Öffentlichkeit gingen.