Brüssel/Washington/Wien. (aum/czar/da) Der NSA-Abhörskandal hat zumindest eine ungewöhnliche Freundschaft hervorgebracht: Mitten in der Aufregung um den US-Geheimdienst und dessen angebliche Spionage in europäischen Behörden avanciert Russlands Präsident Wladimir Putin zum Freund Washingtons. Der Kremlchef hat dem früheren US-Geheimdienstler und Aufdecker Edward Snowden, der um Asyl in Russland angesucht hatte, eine positive Erledigung seines Bescheids in Aussicht gestellt. Bedingung sei allerdings, dass Snowden aufhöre, "unseren amerikanischen Partnern" mit seinen Enthüllungen Schaden zuzufügen. Zuvor hatte der Vorsitzende des russischen Nationalen Sicherheitsrates, Nikolai Patruschew, gesagt, die US-Bundespolizei FBI und der russische Inlandsgeheimdienst FSB sollten gemeinsam eine Lösung anstreben.

Im Verhältnis zur EU hingegen, wo man so richtig sauer auf die USA ist, stehen die Zeichen auf Sturm. Quer durch alle Länder bis hin nach Brüssel macht sich Empörung breit über die neuesten Enthüllungen, dass die NSA europäische Botschaften verwanzt und abgehört habe. Vielerorts wird auch befürchtet, die USA hätten in Europa Wirtschaftsspionage betrieben (siehe unten stehenden Artikel).

"Wir verlangen, dass das sofort aufhört", sagte Frankreichs Präsident François Hollande. In Brüssel wurde US-Botschafter William Kennard vorgeladen. Er sollte dem EU-Spitzendiplomaten Pierre Vimont Bericht erstatten. Das Außenministerium in Wien bestellte den scheidenden US-Botschafter William Eacho am Montagabend ein. Außenminister Michael Spindelegger habe "dem Botschafter die Besorgnis der Österreicher angesichts der in den Medien erhobenen Vorwürfe ausgedrückt und eine rasche Aufklärung gefordert", hieß es danach aus dem Außenamt gegenüber der APA. Eacho habe versichert, die Besorgnis an die "entsprechenden Kanäle" weitergeben zu wollen und eine "Reaktion in Aussicht gestellt". Hinweise, dass Österreich von US-Spionagetätigkeiten gegen Regierungseinrichtungen betroffen sei, gebe es gegenwärtig nicht.

"Das muss aufhören": Frankreichs Präsident Hollande. - © epa
"Das muss aufhören": Frankreichs Präsident Hollande. - © epa

Anders in Deutschland: Der US-Botschafter in Berlin, Philip Murphy, wurde am Montag in das Auswärtige Amt zitiert. Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel schwieg vorerst und schickte am Montag ihren Sprecher Steffen Seibert vor, der jedoch mit deutlicher Kritik an den USA aufwartete: "Abhören von Freunden, das ist inakzeptabel, das geht gar nicht, wir sind nicht mehr im Kalten Krieg."