Wien/Washington/Moskau. Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden wird Russland laut Präsident Wladimir Putin sobald wie möglich verlassen. Gleichzeitig warf der Staatschef den USA am Montag vor, den per Haftbefehl gesuchten Informanten durch Drohungen gegen potenzielle Aufnahmeländer im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo festgesetzt zu haben: "Sie haben alle anderen Länder eingeschüchtert, jetzt will ihn niemand aufnehmen, und deshalb sitzt er faktisch wegen ihnen auf unserem Staatsgebiet fest", wurde Putin von russischen Nachrichtenagenturen zitiert.

Snowden hatte am Freitag angekündigt, vorübergehend in Russland Asyl beantragen zu wollen. Bisher sei ein entsprechendes Gesuch aber nicht bei den zuständigen Behörden eingegangen, sagten russische Regierungsvertreter am Montag. Sollte Moskau dem Asylantrag stattgeben, würde dies die derzeit ohnehin schon gespannten Beziehungen zu den USA weiter verschlechtern.

Mehrheit der Österreicher will Asyl für Snowden

53 Prozent der Österreicher befürworten die Gewährung von politischem Asyl für den US-Aufdecker Edward Snowden. Dies ergibt eine am heutigen Montag veröffentlichte Umfrage des "Humaninstitut Vienna". Demnach sind 29 Prozent der Befragten gegen Asyl für Snowden in Österreich, 18 Prozent machten keine Angabe. Vor einer Woche hatte eine Umfrage des Instituts OGM im Auftrag der Tageszeitung "Kurier" noch eine relative Mehrheit von 46 zu 37 Prozent gegen politisches Asyl für Snowden ergeben.

Eine Auslieferung Snowdens an die USA wird nur von acht Prozent der Österreicher befürwortet, 71 Prozent sprachen sich laut "Humaninstitut" dagegen aus. 64 Prozent der Befragten befürworten das Verhalten des US-Computerspezialisten, der das geheime Internet-Überwachungsprogramm des Geheimdienstes NSA enthüllt hatte. Lediglich 20 Prozent haben eine negative Haltung zu Snowden.

Nicht zufrieden sind die Österreicher mit der Reaktion der Bundesregierung auf die US-Spionageaffäre. 61 Prozent der Befragten qualifizieren sie als "unangemessen". 86 Prozent der Befragten hätten sich härtere Reaktionen der Regierung auf die Spitzelaffäre erwartet.

Die Überwachung des Internets durch einzelne Staaten finden 22 Prozent richtig, 73 Prozent nicht. Eine relative Mehrheit von 46 Prozent der Befragten gab an, sich persönlich überwacht zu fühlen. 34 Prozent verneinten diese Frage.