Ich mag die Idee eines Führerscheins überhaupt nicht. Das bedeutet für mich, dass ich meine Identität in irgendeiner Form preisgeben muss.

Grundkenntnisse von Nutzern, wie sie sich im Netz verhalten sollen, bringen also nichts?

Wenn Sie sich ansehen, wie in die meisten Computer eingebrochen wird, hat das im Normalfall rein gar nichts mit dem Verhalten des Nutzers zu tun oder seiner Browsing-History. Sie browsen und Sie verwenden Java-Script, weil man das für alles braucht. Da ist eben eine verwundbare Software. Statt irgendwelcher Führerschein-Ideen sollte man die Energie dahin verwenden, eine robuste und sicherere Software zu bauen. Das Problem ist nicht der Nutzer, sondern die Software. Microsoft, Apple, Mozilla oder Google dazu zu verpflichten, eine solche Software anzubieten, ist schneller und effizienter als zwei Milliarden Menschen beizubringen, wie man sich im Internet verhält. Es sind in Wahrheit nämlich nur zehn bis zwanzig IT-Firmen, die hier einen Unterschied machen können.

Wie sicher kann Software denn werden? Gibt es nicht immer einen Hochbegabten, der sich da in fünf Minuten einhacken kann?

Nein, es wird schon viel schwieriger. Windows 8 zum Beispiel ist unglaublich viel komplizierter als die Vorgängerversion Windows XP. Ich habe früher meinen Lebensunterhalt mit Hacken verdient. Bei Windows XP brauchte man nur ein paar Tage, um eine Schwachstelle zu entdecken. Jetzt bei Windows 8 braucht man wahrscheinlich ein Team und ein paar Monate, bis man vielleicht auf irgendetwas stößt. Das kann man nicht mehr nebenbei als Hobby betreiben. Die einzige Gruppierung, für die es sich noch auszahlt, so viel Zeit zu investieren, ist das organisierte Verbrechen. Die verfügen auch über gut dotierte Budgets. Und es gibt auch immer weniger Leute, die über die notwendigen Fähigkeiten verfügen, um in so komplizierte Operating Systems einzubrechen. Deswegen setzen Hacker ihre Energien in Adobe oder Java, Software, die einfach leichter zu knacken ist.

Wo liegen weitere Schwachstellen?

Beim mobilen Internet, bei Smartphones und Laptops. Dort gibt es noch nicht so viele Sicherheitshürden. Computer haben diesen mobilen Endgeräten einfach mehr als zehn Jahre in Sicherheitserfahrungen voraus. Am PC kann ich meinem E-Mail-Programm sagen, dass es nur mit meinem E-Mail-Server kommunizieren soll. Das ist der einzige Server, den es etwas angeht. Aber mit dem Smartphone kann ich das nicht. Da kommuniziert das E-Mail-Programm praktisch mit dem ganzen Cyberspace.

Verwenden Sie ein Smartphone?

Ich habe es, aber ich lade mir nicht irgendwelche Apps herunter. Ich lade sie auf mein billiges Tablet und schaue, wie sie funktionieren. Ansonsten verwende ich mein Handy als Telefon. Es ist ja nicht ein besonders guter Webbrowser. Es gibt derzeit ein Vakuum für Smartphones, die so sicher sind, dass man sie geschäftlich verwenden sollte. Blackberry hat früher diesen Job erfüllt, aber die sind ja weg vom Fenster. Smartphones wurden für Konsumenten entwickelt und fangen erst jetzt langsam an, etwas sicherere Features anzubieten.