Washington/Paris. Frankreich hat den US-Geheimdienst NSA offenbar eines Hackerangriffs auf die französische Präsidentschaft verdächtigt. Die NSA musste im April dieses Jahres zwei französischen Geheimdienst- und Behördenverantwortlichen wegen Cyber-Attacken auf den Elysee-Palast im Mai 2012 Rede und Antwort stehen, wie die französische Tageszeitung "Le Monde" am Freitag unter Berufung auf ein vom früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden kopiertes NSA-Dokument berichtete. In dem als "Top Secret" eingestuften internen NSA-Schreiben wird aber betont, dass die NSA nicht hinter den Hackerangriffen stehe.

Im Juli 2012 waren Hackerangriffe auf den Elysee-Palast bekannt geworden. Laut der Regionalzeitung "Le Telegramme de Brest" wurden zum Ende der Amtszeit des konservativen Staatschefs Nicolas Sarkozy zwei Cyber-Angriffe verübt, der letzte zwischen dem Wahlsieg von Francois Hollande am 6. Mai und seinem Amtsantritt am 15. Mai. Experten zufolge sollten die Computer von Mitarbeitern der Präsidentschaft ausgespäht werden. Im November berichtete das Magazin "L'Express", hinter dem Hackerangriff stünden die USA.

"Le Monde" wertete nun ein NSA-Dokument aus, das der Vorbereitung eines Treffens mit einem ranghohen Vertreter des französischen Auslandsgeheimdienstes DGSE und dem Chef der französischen Behörde für Internet-Sicherheit (Anssi) diente. Thema: Die Hacker-Angriffe auf den Elysee-Palast.

Verantwortung abgestritten

In dem NSA-Dokument wird festgehalten, dass kein US-Geheimdienst diesen Angriff ausgeführt habe. Die NSA-Abteilung für Cyber-Attacken (TAO für Tailored Access Operations, also maßgeschneiderte Zugangs-Operationen) sei nicht für den Angriff verantwortlich und habe auch beim Partnerdienst CIA sowie beim britischen Dienst GCHQ und beim kanadischen Dienst CSEC nachgefragt, wo die Verantwortung abgestritten worden sei.

In dem Papier heißt es laut "Le Monde" allerdings, dass die israelischen Geheimdienste Mossad und ISNU von der NSA "bewusst" nicht gefragt worden seien. Laut "Le Monde" wird damit der Verdacht auf die israelischen Dienste gelenkt.

Enthüllungen zu den Aktivitäten der NSA sorgen schon seit Monaten für Empörung. Am Mittwoch wurde dann bekannt, dass der US-Geheimdienst womöglich auch das Telefon von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ausspähte. Zuvor hatte "Le Monde" am Montag unter Berufung auf die Snowden-Dokumente berichtet, die NSA habe allein innerhalb eines Monats - zwischen dem 10. Dezember 2012 und dem 8. Januar 2013 - 70,3 Millionen Telefonverbindungen in Frankreich überwacht.