Berlin. Großbritannien soll auf dem Dach seiner Botschaft in Berlin einem Zeitungsbericht zufolge einen Horchposten betreiben. Auf dem Gebäude befinde sich ein zylinderförmiger Aufbau, der einer Abhörstation ähnlich sehe, berichtete der "Independent" unter Berufung auf Dokumente Snowdens. Der Geheimdienst GCHQ betreibe ein ganzes Netz solcher elektronischer Horchposten in seinen Botschaften weltweit.

Die Botschaft selbst wollte den Bericht weder bestätigen noch dementieren. "Ich kann zu geheimdienstlichen Aktivitäten keine Auskunft geben", sagte eine Mitarbeiterin am Dienstag in Berlin.

Deutsche verlangen Konsequenzen
Innenpolitiker der regierenden Christdemokraten verlangten am Dienstag Konsequenzen. Wolfgang Bosbach (CDU) forderte ein No-Spy-Abkommen mit den Briten, wie es Deutschland bereits mit den USA anstrebt. Sein CSU-Kollege Hans-Peter Uhl dagegen äußerte sich skeptisch. "Man kann viele Verträge mit Verbündeten schließen, auch mit Großbritannien", sagte er dem "Tagesspiegel" (Mittwochausgabe). Was die Vereinbarungen allerdings wert seien, sei ungewiss.

Ähnliche Vorwürfe wie gegen die Briten waren schon gegen die USA laut geworden, deren Botschaft in Berlin ebenfalls in unmittelbarer Nähe des Bundeskanzleramts und des Bundestags liegt. Zudem belastet der mutmaßliche Lauschangriff der US-Geheimdienste auf das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel seit Wochen das Verhältnis zu den USA. Die deutsche Bundesregierung machte am Montag aber deutlich, dass sie wegen des Enthüllers Edward Snowden keinen Bruch mit den USA riskieren will. Grüne und Linkspartei dagegen wollen eine Aufnahme Snowdens in Deutschland durchsetzen.

Außenminister John Kerry warnte indes die Europäer davor, die Verhandlungen über ein transatlantisches Freihandelsabkommen zwischen EU und USA wegen der Abhöraffäre um den US-Geheimdienst zu belasten. Die Handelspartnerschaft hänge nicht mit "anderen Sachen zusammen, die die Menschen vielleicht im Kopf" hätten, sagte Kerry am Dienstag bei einem Besuch in Polen.