Brüssel/ Washington. EU-Kommissarin Neelie Kroes hat in der Diskussion um europäische Cloud-Lösungen nach dem NSA-Skandal eindringlich vor einer nationalen Abschottung gewarnt. "Eine Fragmentierung wäre absolut das Ende für eine Erfolgsgeschichte", betonte die für Digitales zuständige Vize-Vorsitzende der Europäischen Kommission am Donnerstag in Berlin.

Europa will nach den Enthüllungen über Internet-Spionage den Aufbau gemeinsamer Cloud-Lösungen für Daten und Dienste beschleunigen. Dabei gehe es nicht um eine neue gewaltige Infrastruktur, erklärte Kroes. Vielmehr müsse ein rechtlicher und technischer Rahmen für den freien Fluss von Daten über die Grenzen einzelner Länder hinweg geschaffen werden.

Immer mehr Anfragen an Google
Behörden verlangen von Google immer häufiger, die Daten von Nutzern herauszugeben. In den vergangenen drei Jahren habe sich die Anzahl dieser Anfragen nahezu verdoppelt. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten aktuellen Transparenzbericht des Internet-Konzerns hervor. Demnach forderten die Behörden verschiedener Länder in den ersten sechs Monaten dieses Jahres in knapp 25.900 Fällen Nutzerdaten an. Davon seien rund 42.500 Nutzer bzw. Accounts betroffen gewesen. Im ersten Halbjahr 2010 waren es noch gut 13.400 Anfragen.

Aus den USA kamen im ersten Halbjahr dieses Jahres knapp 11.000 Anfragen von Strafverfolgungsbehörden, berichtete Google. Ein Jahr zuvor waren es knapp 8.000 gewesen. Die geheimen Anfragen nach dem US-Auslandsspionagegesetz nimmt Google nicht in dieses Statistik auf. Die amerikanischen Internet-Unternehmen dürfen nach den gesetzlichen Rahmenbedingungen in den USA diese Zahl nur in einer breiten Spanne nennen, wogegen Google ankämpft. Für das vergangene Jahr insgesamt gab Google die Menge solcher Anfragen mit "0 bis 999" an.

NSA-Abhörskandal belastet amerikanischen IT-Konzern Cisco
Die Verkäufe des weltgrößten Netzwerk-Ausrüsters Cisco Systems in den wichtigen Schwellenländern flauen ab und bremsen das Wachstum des Konzerns. Ein Grund dafür sind auch die Enthüllungen über die Spitzeleien des US-Geheimdiensts NSA. Insbesondere die chinesischen Kunden misstrauen der US-Technik von Cisco.

"Es hatte einen Einfluss in China", räumte Cisco-Chef John Chambers am Mittwoch in einer Telefonkonferenz mit Analysten ein. "Ich denke, wir sind uns alle darüber im Klaren." In China sitzen mit Huawei oder ZTE überdies starke Rivalen. Deren Netzwerk-Technik ist wiederum in den USA verpönt wegen Sicherheitsbedenken.

Chambers rechnet mit anhaltenden Schwierigkeiten
Auf die gesamten Geschäfte in den Schwellenländern hätten die NSA-Enthüllungen allerdings nur einen "relativ geringen" Einfluss gehabt, schränkte Chambers ein. Seiner Meinung nach liegt der Hauptgrund für die abgeflauten Verkäufe in der Region in schlechteren wirtschaftlichen Aussichten. Die Kunden seien verunsichert und hätten Bestellungen auf Eis gelegt.

"Die letzten zwei Wochen des vergangenen Quartals waren wirklich hart", sagte Chambers. In Ländern wie Brasilien, Russland, Mexiko, Indien und China habe man sicher geglaube Aufträge nicht gewinnen können. Chambers rechnet mit anhaltenden Schwierigkeiten.

Entsprechend trübe fiel die Prognose für das laufende Quartal aus: Der Konzern geht von einem Umsatzrückgang von 8 bis 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus. Das war ein Schock für die Anleger: Am Donnerstag fiel die Aktie vorbörslich um mehr als 12 Prozent.

Schon im abgeschlossenen ersten Geschäftsquartal (bis Ende Oktober) hatte Cisco schlechter abgeschnitten als von Analysten erwartet. Der Umsatz stieg um vergleichsweise magere 2 Prozent auf 12,1 Mrd. Dollar (9,02 Mrd. Euro). Der Gewinn fiel gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5 Prozent auf 2,0 Mrd. Dollar.

Cisco hatte bereits vor drei Monaten angekündigt, 4.000 Stellen und damit 5 Prozent aller Arbeitsplätze zu streichen. Chambers hatte den Schritt mit einer langsamen wirtschaftlichen Erholung begründet.

Cisco stellt Geräte für den Datenverkehr her, sogenannte Router und Switches. Die Technik der Kalifornier steckt in den meisten Firmen-Netzwerken und sorgt dafür, dass das Internet läuft. Der Konzern profitiert von der wachsenden Bedeutung von Cloud-Diensten, also der Auslagerung von Daten und Programmen auf große Rechner im Internet.