Die NSA kann laut neuen Enthüllungen auch auf Rechner zugreifen, die nicht ans Internet angeschlossen sind. Voraussetzung sei, dass spezielle Funk-Wanzen von Agenten oder nichts ahnenden Nutzern installiert werden, berichtete die "New York Times" am Mittwoch. Die Technologie diene dazu, auf Rechner von Zielpersonen zu kommen, die sich einer Überwachung entziehen wollen.

Die Sender könnten entweder in den Computer selbst eingebaut werden oder in USB-Sticks oder Steckern versteckt werden, hieß es unter Berufung auf Dokumente und Regierungsbeamte. In anderen Fällen werde Überwachungssoftware über das Netz geladen. Insgesamt versah die NSA dem Bericht zufolge weltweit knapp 100.000 Computer mit ihren Programmen.

Obama verteidigt Datensammlung
Unterdessen verteidigte eine von US-Präsident Barack Obama eingesetzte Expertengruppe die massive Sammlung von Telefondaten. Dieses Programm der NSA sei wichtig für den Anti-Terror-Kampf und sollte fortgesetzt werden, erklärten die Fachleute in einer Senats-Anhörung in Washington.

Obama will am Freitag seine Pläne für eine Reform der Geheimdienstarbeit vorstellen. Anlass für die Debatte war unter anderem das jahrelangen Abhören des Handys der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Als Konsequenz aus dieser Affäre verhandeln Deutschland und die USA derzeit über ein bilaterales Abkommen zur Zusammenarbeit ihrer Geheimdienste.

Über einen Teil der Informationen der "New York Times" - unter anderem zum Einbau von Ausspäh-Bauteilen - hatte jüngst bereits das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet. Nach den Enthüllungen der "New York Times" wird die NSA-Software in den meisten Fällen über Computer-Netzwerke installiert. Damit würden unter anderem das chinesische und russische Militär sowie Computer der mexikanischen Polizei und dortiger Drogenkartelle infiziert, aber auch Handelsinstitutionen innerhalb der EU. In China sei auf diese Weise etwa eine Abteilung der chinesischen Armee angegriffen worden, die nach Vermutung der USA hinter Cyberattacken im Westen steht.

Der chinesische Telekommunikationsriese Huawei wies Berichte über Sicherheitslücken in seinen Produkten zurück. "Diese Vorwürfe sind grundlos", sagte Finanzchefin Cathy Meng in Peking. "Es gibt keine Sicherheitsprobleme mit Geräten von Huawei." Sie reagierte damit auf einen "Spiegel"-Bericht, wonach die NSA Ausrüstung und Smartphones verschiedener Hersteller, darunter Huawei, infiltrieren könne.

Laut Unterlagen aus dem Fundus des Informanten Edward Snowden richtete der US-Geheimdienst zwei eigene Rechenzentren in China ein, möglicherweise über Tarnfirmen, schrieb die "New York Times". Von dort aus könne Überwachungssoftware in Computer eingeschleust werden.

Der Spion im USB-Stecker
Über die Möglichkeiten zur NSA zur Internet-Überwachung wurde schon viel berichtet, doch laut der neuesten Enthüllung der "New York Times" kann der US-Geheimdienst auch Computer angreifen, die nicht online sind.

Wie kommt die NSA an Rechner heran, die nicht ans Internet angeschlossen sind?

Voraussetzung ist klassische Geheimdienstarbeit: Ein Agent muss ein präpariertes Bauteil im Computer installieren. Oder der nichts ahnenden Zielperson muss ein verwanztes Accessoire wie ein Verbindungskabel oder ein USB-Stick untergejubelt werden.

Wie gelangen die Informationen zur NSA?

Die NSA-Bauteile übertragen Daten über Funkverbindungen. Der Geheimdienst muss allerdings eine Empfangsstation in einer Entfernung von maximal acht Meilen (knapp 13 km) platzieren. Von dort werden die Informationen ins NSA-Netz eingespeist. Die Empfangsstation habe in etwa die Größe eines Aktenkoffers, schrieb die "New York Times".

Ist es eine einseitige Verbindung?

Dem Bericht der "New York Times" zufolge können über die Funkverbindung auch Daten auf dem Computer verändert werden. Damit könnte dort zum Beispiel auch Überwachungssoftware aufgespielt, etwa solche, die alle Tastatur-Anschläge aufzeichnet.

Warum ist es für die NSA wichtig, in Computer ohne Internet-Zugang einzudringen?

Gerade diejenigen, die Geheimnisse hüten wollen, achten darauf, kein offenes Einfallstor über das Netz zu bieten. Also bewahren sie die wichtigsten Informationen oft in Rechnern ohne Internet-Anschluss auf. Auch ganze Netze geheimer militärischer Anlagen oder Forschungseinrichtungen können vom öffentlichen Internet abgeschnitten sein. So gelangte der berüchtigte Computerwurm Stuxnet, der das iranische Atomprogramm sabotierte, in das Nuklear-Forschungszentrum Natanz wohl über einen verseuchten USB-Stick.

Wie viele Computer könnten auf diese Weise überwacht werden?

Die "New York Times" spricht von insgesamt knapp 100.000 Computern, auf die die NSA ihre Software eingeschleust habe. Der absolute Großteil davon dürfte aber online über das Internet angegriffen worden sein, etwa mit manipulierten Webseiten oder infizierten E-Mails. Das physische Eindringen in die Rechner selbst dürfte sich die NSA mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für Ausnahmefälle vorbehalten, in denen dieses umständlichere und riskantere Vorgehen nicht zu vermeiden ist.